Der Abend sank. Sie hielten ihren Einzug in Brügge durch das Genter Tor und zeigten ihre Pässe vor. Nachdem sie für sich selbst einen halben Sou und zwei für ihre Esel hatten bezahlen müssen, gingen sie in die Stadt. Lamm, der Worte Ulenspiegels gedenkend, schien tiefbetrübt.
„Werden wir alsbald zur Nacht essen?“ fragte er.
„Ja,“ antwortete Ulenspiegel.
Sie stiegen in der „Meermin“, der „Seejungfer“ ab, die als Wetterfahne, ganz aus Gold, über dem Giebel der Herberge angebracht ist, führten ihre Esel in den Stall, und Ulenspiegel bestellte für sich und Lamm Nachtessen: Brot, Bier und Käse.
Der Wirt lachte spöttisch, da er diese karge Kost auftrug. Lamm aß mit langen Zähnen und blickte voller Verzweiflung Ulenspiegel zu, der in das zu alte Brot und den zu jungen Käse hineinbiß, als wären es Fettammern gewesen. Und Lamm trank sein Dünnbier ohne Genuß. Ulenspiegel lachte, da er ihn so kläglich sah. Und es war noch jemand, so im Hofe der Herberge lachte und manchmal das Gesicht an den Fensterscheiben zeigte. Ulenspiegel sah, daß es ein Weib war, das sein Gesicht versteckte. In der Meinung, es sei irgend eine boshafte Magd, dachte er nicht mehr daran, und da er Lamm so blaß, traurig und bleich sah, wegen der vereitelten Begierden seines Magens, jammerte ihn sein und er gedachte, für seinen Gefährten einen Eierkuchen mit Blutwürsten, ein Gericht Rindfleisch mit Saubohnen oder irgend eine andere heiße Schüssel zu bestellen, als der Wirt eintrat, seinen Hut lüftete und sprach:
„Wenn die Herren Reisenden ein besser Nachtmahl begehren, so müssen sie sprechen und sagen, was es sein soll.“
Lamm riß die Augen weit auf und den Mund noch weiter und blickte Ulenspiegel mit banger Unruhe an.
Dieser antwortete:
„Wandernde Handwerker sind nicht reich.“
„Es kommt gleich wohl vor,“ sprach der Wirt „daß ihnen nicht ihr ganzer Besitz bekannt ist.“ Und auf Lamm deutend: „Dies gute Vollmondsgesicht ist soviel wert wie zwei andere. Was beliebt den Herrschaften zu speisen und zu trinken? Ein Speck-Eierkuchen, heute frisch gedämpfte Choesels, ein Kapaun, der auf der Zunge zergeht, eine schöne, auf dem Rost gebratene Kalbsrippe mit einer Tunke von vier Gewürzen, Dobbel-knol aus Antwerpen, Dobbel-kuyt aus Brügge und Löwener Wein, nach Art des Burgunders gekeltert? Und ohne Bezahlung.“