„Warum sagst Du mir nicht, wie Du sie diese Nacht bei Dir fandest und wie sie Dich verließ?“

„Mein Sohn,“ antwortete Lamm, „Du weißt, daß wir dem Fleisch, Bier und Wein alle Ehre angetan hatten und daß ich mit Mühe schnaufte, als wir zu Bett gingen. Ich trug eine Wachskerze wie ein fürnehmer Herr, um mir zu leuchten, und hatte den Leuchter auf eine Truhe gesetzt, um zu schlafen. Die Tür war halb offen geblieben, die Truhe war nahe dabei. Als ich mich auskleidete, blickte ich mein Bett voller Liebe und Sehnsucht nach Schlaf an. Die Wachskerze erlosch mit einem Mal. Ich vernahm etwas wie einen Hauch und ein Geräusch leichter Schritte in meiner Stube, aber maßen meine Schläfrigkeit größer war denn meine Furcht, fiel ich schwer ins Bett. Da ich im Einschlafen war, sprach eine Stimme, ihre Stimme, oh, mein Weib, mein armes Weib! sprach zu mir: „Hast Du gut gespeist, Lamm?“ Und ihre Stimme war mir nahe, desgleichen ihr Antlitz und ihr holder Leib.“


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Am selbigen Tage war König Philipp schwermütiger denn sonst, denn er hatte zuviel Zuckergebäck gegessen. Er hatte auf seinem lebendigen Klavizimbal gespielt; das war eine Kiste, die Katzen enthielt, deren Köpfe durch runde Löcher unter den Tasten herauskamen. Jedesmal, wenn der König auf eine Taste schlug, traf diese die Katze mit einem Stachel, und das Tier miaute und jammerte vor Schmerz.

Aber Philipp lachte nicht.

Unablässig forschte er im Geiste, wie er Elisabeth, die große Königin, besiegen und Marie Stuart auf den Thron von England setzen könne. Zu dem Ende hatte er an den bedürftigen und verschuldeten Papst geschrieben; der Papst hatte geantwortet, daß er für dieses Unternehmen gern die heilgen Gefäße aus den Kirchen und die Schätze des Vatikans verkaufen würde.

Aber König Philipp lachte nicht.

Ridolfi, der Buhle der Königin Maria, welcher sie zu befreien, hernach zu heiraten und König von England zu werden hoffte, kam vor König Philipp, um mit ihm den Mord Elisabeths abzukarten. Aber er war ein solcher Schwätzer, wie der König schrieb, daß man von seiner Absicht ganz offen an der Börse von Antwerpen gesprochen hatte. Und der Mord unterblieb.