Die Edelleute gehorchten, doch Herr Joos Damman zauderte immer noch. Das Volk schrie:
„Gerechtigkeit, Euer Gnaden, Gerechtigkeit! Er soll seinen Degen ausliefern!“
Darauf tat er es sehr wider Willen, stieg vom Pferde und ward von zwei Schergen nach dem Gemeindekerker geführt. Er ward jedoch nicht in die Verließe gesperrt, sondern vielmehr in ein vergittertes Gemach, wo er für sein Geld gutes Feuer, gutes Bett und gute Nahrung erhielt; davon nahm sich der Kerkermeister die Hälfte.
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Am andern Tage gingen der Amtmann, die beiden Kriminalschreiber, zwei Schöffen und ein Wundarzt gen Dudzeele, um zu sehen, ob sie auf Servaes van der Vichtes Acker längs des Deiches, der das Feld durchschnitt, den Leichnam eines Mannes fänden.
Nele hatte zu Katheline gesagt: „Hans, dein Liebster, verlangt Hilberts abgeschnittene Hand. Heute Abend wird er wie ein Fischadler schreien, in unsere Hütte kommen und Dir die siebenhundert Goldkarolus bringen.“
Katheline hatte geantwortet:
„Ich werde sie abschneiden.“ Und wirklich nahm sie ein Messer und machte sich in Neles Begleitung auf; die Gerichtsbeamten folgten ihr. Sie ging rasch und stolz mit Nele, der die frische Luft das hübsche Gesicht rötete. Die alten, hüstelnden Gerichtsbeamten folgten ihr schier erfroren; sie waren alle wie schwarze Schatten auf der weißen Ebene, und Nele trug ein Grabscheit. Als sie auf Servaes van der Vichtes Acker und auf dem Deiche anlangten, ging Katheline bis zur Mitte und sprach, zur Rechten auf die Wiese deutend: „Hans, Du wußtest nicht, daß ich da verborgen war und beim Klirren der Degen erbebte. Und Hilbert schrie: Dies Eisen ist kalt. Hilbert war häßlich, Hans ist schön. Du sollst seine Hand haben, laß mich allein.“ Dann stieg sie zur Linken hinab, kniete auf dem Schnee nieder und rief dreimal in die Luft, um den Geist herbeizurufen.