„An Hilbert, Sohn von Willem Ryvisch, Ritter, Joos Damman, Ritter, Gruß.
„Viellieber Freund, verliere nicht fürder Dein Geld in Karten-, Würfelspiel und anderm großen Elend. Ich will Dir sagen, wie man es mit sicherem Wurf gewinnt. Wir wollen uns in Teufel verwandeln, hübsche Teufel, die von Frauen und Mädchen geliebt werden. Die Schönen und Reichen nehmen wir, die Häßlichen und Armen lassen wir beiseite; sie mögen ihr Vergnügen bezahlen. Bei diesem Handwerk verdiente ich in sechs Monaten im Lande Deutschland fünftausend Reichstaler. Die Frauen geben ihrem Buhlen, so sie ihn lieben, ihre Röcke und Hemden. Flieh die Geizigen mit spitzer Nase, die sich besinnen, ihr Vergnügen zu bezahlen. Für Deine Person und um als schöner und echter Incubus zu erscheinen, verkünde Dein Kommen, wenn sie Dich für die Nacht aufnehmen, indem Du wie ein Nachtvogel schreist. Und um Dir eine wahre Teufelslarve zu machen, wie ein erschrecklicher Teufel, reibe Dir das Gesicht mit Phosphor ein, welcher glänzt, wenn er feucht wird. Der Geruch ist übel, aber sie werden glauben, daß es Höllenduft ist. Töte, was Dir in den Weg kommt, Mann, Weib oder Tier.
„Wir werden bald zusammen zu Katheline gehn, einem schönen, gutherzigen Weibsbild. Ihre Tochter Nele, eins von meinen Kindern, wenn Katheline mir treu war, ist artig und hübsch. Du wirst sie ohne Mühe besitzen. Ich gebe sie Dir, denn ich schere mich nicht um diese Bastarde, die man nicht mit Gewißheit als seine Sprößlinge erkennen kann. Ihre Mutter gab ihr schon dreiundzwanzig Karolus, ihre ganze Habe. Aber sie verbirgt einen Schatz, welcher, wenn ich kein Dummkopf bin, die Erbschaft des zu Damm verbrannten Ketzers Klas ist: siebenhundert Karolusgülden, die der Konfiskation verfallen. Aber der gute König Philipp, der so viele seiner Untertanen verbrennen ließ, um sie zu beerben, konnte seine Klaue nicht auf diesen lieblichen Schatz legen. Er wird in meiner Geldkatze schwerer wiegen als in seiner. Katheline wird mir sagen, wo er ist, und wir wollen ihn teilen. Du mußt mir nur für die Entdeckung den größten Teil lassen.
„Die Weiber, unsre holden Leibeigenen und verliebten Sklavinnen, werden wir ins Land Deutschland bringen. Dort werden wir sie lehren, weibliche Teufel und Succubi zu werden, die alle reichen Bürger und Edelleute verliebt machen. Allda werden sie und wir von Liebe leben, die mit schönen Reichstalern, Samt, Seide, Gold, Perlen oder Kleinodien bezahlt wird, und also ohne Anstrengung reich werden. Und ohne Wissen der Succubi werden wir von den Schönsten geliebt werden und uns übrigens immer bezahlen lassen. Alle Frauen sind dumm und albern gegen den Mann, welcher das Liebesfeuer entzünden kann, das Gott unter ihren Gürtel legte. Katheline und Nele werden es noch mehr sein als andre und in allen Stücken gehorchen, sintemal sie uns für Teufel halten. Behalte du deinen Vornamen, aber gib niemals deinen Vaternamen Ryvisch an. Wenn der Richter die Weiber abfaßt, reisen wir ab, ohne daß sie uns kennen und uns angeben können. Vorwärts, mein Getreuer. Fortuna lächelt der Jugend, wie Seine Hochselige, heilige Majestät Karl der Fünfte sagte, der ein geprüfter Meister in Sachen der Liebe und des Krieges war.“
Und der Gerichtsschreiber hörte auf zu lesen und sagte:
„Dies ist der Brief. Er ist unterzeichnet. Joos Damman, Ritter.“
Und das Volk schrie:
„Zum Tode mit dem Mörder! Zum Tode mit dem Zauberer! Ins Feuer mit dem Weiberbetörer! An den Galgen mit dem Dieb!“
Darauf sprach der Amtmann!
„Haltet Ruhe, Leute, damit wir in aller Freiheit diesen Menschen richten können.“