Sieben Männer und Frauen saßen mitten im Himmel auf Thronen, die Stirnen mit einem glänzenden Sterne gekrönt; aber sie waren so verschwommen, daß Nele und Ulenspiegel nur ihre Sterne deutlich erblickten.
Das Meer stieg bis zum Himmel und wälzte in seinem Schaum eine Unzahl von Schiffen, deren Masten und Takelwerk nach der Willkür der stürmisch bewegten Wogen aneinanderstießen, sich verwickelten, zerbrachen und zerspellten. Dann erschien ein Schiff inmitten aller andern. Seine Verschalung war von glühendem Eisen, der stählerne Kiel scharf wie ein Messer. Das Wasser schrie und ächzte, wenn es hindurchfuhr. Der Tod saß hohnlachend auf dem Heck, in der einen Hand seine Hippe, in der andern eine Peitsche, womit er sieben Personen schlug. Die eine war ein trübseliger, magerer, hochmütiger, schweigsamer Mensch. In der einen Hand hielt er ein Zepter, in der andern einen Degen. Neben ihm saß eine rothaarige Dirne auf einer Ziege, ihre Brüste waren bloß, ihr Kleid offen und sie hatte freche Augen. Unzüchtig reckte sie sich zur Seite eines alten Juden, der Nägel aufsammelte, und eines dicken, gedunsenen Mannes, der allemal umfiel, wenn sie ihn aufrichtete. Ein mageres, wütendes Weib prügelte alle beide. Der dicke Mann rächte sich nicht, noch minder seine rothaarige Gefährtin. Ein Mönch in ihrer Mitte aß Würste. Ein Weib, das auf der Erde lag, kroch wie eine Schlange zwischen den andern hindurch, biß den alten Juden wegen seiner alten Nägel, den gedunsenen Mann, weil er zu gemächlich war, die rothaarige Dirne wegen des feuchten Schimmers ihrer Augen, den Mönch wegen der Würste, und den Magern wegen seines Zepters. Und alsbald prügelten sich alle.
Als sie weiterfuhren, ward die Schlacht auf dem Meer, im Himmel und auf Erden entsetzlich. Es regnete Blut. Die Schiffe wurden von Beilhieben, Büchsen- und Kanonenschüssen zerschmettert, ihre Trümmer flogen mitten im Pulverdampf in die Luft. Auf dem Lande prallten die Heere wie eherne Mauern zusammen. Städte, Dörfer und Ernten verbrannten unter Geschrei und Tränen. Die stolzen Schattenrisse der ragenden Glockentürme hoben sich wie steinerne Spitzenzier vom Feuerschein ab; dann stürzten sie gleich gefällten Eichen dröhnend zu Boden. Schwarze Reiter, zahlreich und dicht wie Ameisenhaufen, den Degen in der Hand und die Pistole in der Faust, töteten Männer, Weiber und Kinder. Etliche schlugen Löcher ins Eis und senkten lebende Greise hinein; andere schnitten den Weibern die Brüste ab und streuten Pfeffer darauf, andere henkten Kinder in den Essen auf. Die des Tötens müde waren, taten irgend einem Mädchen oder einer Frau Gewalt an, tranken, spielten Würfel und wühlten mit roten Fingern in Goldhaufen, dem Ertrage der Plünderung.
Die sieben Sterngekrönten riefen: „Erbarmen für die arme Welt!“
Und die Gespenster hohnlachten. Und ihre Stimmen glichen denen von tausend Fischadlern, die zumal schrieen. Und der Tod schwang seine Hippe.
„Hörst Du sie?“ sagte Ulenspiegel; „das sind die Raubvögel der armen Menschen. Sie nähren sich von kleinen Vögeln, nämlich den Schlichten und Guten.“
Die sieben Sterngekrönten riefen: „Liebe, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit!“
Und die sieben Gespenster hohnlachten. Und ihre Stimmen glichen denen von tausend Fischadlern, die zumal schreien. Und der Tod peitschte sie.
Und das Schiff fuhr mitten hindurch und schnitt Kriegsschiffe, Boote, Männer, Weiber und Kinder entzwei. Die Klagen der Opfer, die „Erbarmen“ riefen, widerhallten auf dem Meere. Und das rote Schiff segelte über sie alle hinweg, dieweil die lachenden Gespenster gleich Seeadlern schrieen. Und der Tod trank hohnlachend das blutige Wasser.
Da das Schiff im Nebel verschwunden war, hörte die Schlacht auf und die sieben Sterngekrönten vergingen.