Und Ulenspiegel und Nele sahen nichts mehr denn den schwarzen Himmel, die hochgehende See, die düstern Wetterwolken, die auf dem phosphorschimmernden Wasser heranzogen, und ganz nahe rote Sterne. Es waren die Laternen der zweiundzwanzig Kuffs. Das Meer und der Donner grollten dumpf.
Und Ulenspiegel läutete sacht die Alarmglocke und rief: „Der Spanier, der Spanier! Er segelt auf Vlissingen!“ Und der Ruf hallte wider durch die ganze Flotte.
Und Ulenspiegel sagte zu Nele:
„Ein grauer Schimmer breitet sich über Himmel und Meer aus. Die Laternen leuchten nur noch schwach; der Tag bricht an, der Wind frischt auf, die Wogen schleudern ihren Schaum über das Deck der Schiffe, ein starker Regen fällt und hört sogleich wieder auf. Die Sonne geht strahlend auf und vergoldet die Wogenkämme; das ist Dein Lächeln, Nele, frisch wie der Morgen, sanft wie der Sonnenstrahl.“
Die zweiundzwanzig Kuffs segeln vorbei. Auf den Schiffen der Geusen dröhnen die Trommeln und schrillen die Pfeifen; de Lumey ruft: „Auf Befehl des Prinzen: Klar zum Entern!“ Ewont Pietersen Wort, Vizeadmiral, ruft: „Auf Befehl Seiner Gnaden von Oranien und des Herrn Admirals: Klar zum Entern!“ Auf allen Schiffen, „Johanna“, „Schwan“, „Anne-Mie“, „Geuse“, „Kompromiß“, „von Egmont“, „von Hoorn“, „Willem de Zwyger“, rufen alle Kapitäne: „Auf Befehl seiner Gnaden von Oranien und des Herrn Admirals: Klar zum Entern!“
„Klar zum Entern! es lebe der Geuse!“ rufen die Soldaten und Matrosen.
Très-Longs Hucker, „Briel“ genannt, auf dem Ulenspiegel und Lamm sind, gefolgt von „Johanna“, „Schwan“ und „Geuse“, erobert vier Kuffs. Die Geusen werfen alles, was spanisch ist, ins Wasser, nehmen die Niederländer gefangen, leeren die Schiffe aus wie Eierschalen und lassen sie ohne Mast noch Segel in die Rhede treiben. Dann machen sie Jagd auf die achtzehn andern. Der Wind weht heftig von Antwerpen, die Längsseiten der schnellen Schiffe neigen sich unter der Wucht der geschwellten Segel ins Wasser des Flusses, wie Mönchswangen beim Winde, der aus den Küchen kommt. Die Kuffs fahren schnell; die Geusen verfolgen sie bis in die Rhede von Middelburg unter dem Feuer der Forts. Da entspinnt sich eine blutige Schlacht. Die Geusen schwingen sich mit Äxten auf die Decks der Schiffe, die alsbald mit abgehauenen Armen und Beinen übersäet sind, also daß sie nach der Schlacht körbeweise in die Fluten geworfen werden müssen. Die Forts feuern auf sie; sie spotten ihrer, und mit dem Ruf: „Es lebe der Geuse!“ nehmen sie Pulver, Bomben, Kugeln und Getreide aus den Kuffs. Nachdem sie sie entleert haben, stecken sie sie in Brand, lassen sie rauchend und brennend in der Rhede zurück und segeln nach Vlissingen.
Von dort werden sie Mannschaft aussenden, um die Deiche von Holland und Zeeland zu durchstechen und beim Bau neuer Schiffe zu helfen, sonderlich der Vliebote von hundertundvierzig Tonnen, welche bis zu zwanzig gußeiserne Feldstücke tragen können.