Die Toten wurden gezählt; es waren ihrer tausend auf Seiten der Spanier, dreihundert auf Seiten der Geusen, unter ihnen der Schiffskoch des Vliebootes „Briel.“
Ulenspiegel verlangte vor Très-Long und den Matrosen zu reden, welches Très-Long ihm gern zugestand. Und er hielt ihnen diese Rede:
„Herr Kapitän und ihr, Kameraden und Freunde, wir haben viel Spezereien geerbt, und hier haben wir Lamm, den guten Dickwanst, welcher meint, daß der arme Tote da, Gott habe ihn selig, kein großer Meister in Fleischgerichten war. Laßt uns ihn an seiner Stelle erwählen, und er wird Euch himmlische Ragouts und paradiesische Suppen bereiten.“
„Das wollen wir,“ sagten Très-Long und die andern. „Lamm soll Oberkoch des Schiffes sein. Er soll die große, hölzerne Kelle tragen, um den Schaum von seinen Brühen abzulöffeln.“
„Herr Kapitän, Kameraden und Freunde,“ sprach Lamm, „Ihr sehet mich vor Freude weinen, denn ich verdiene eine so große Ehre nicht. Da Ihr jedoch geruht, Euch an meine unwürdige Person zu wenden, so nehme ich die edlen Pflichten eines Meisters der Kochkunst auf dem wackeren Vlieboot „Briel“ an. Aber zugleich bitte ich Euch demütig, mir das höchste Kommando der Küche zu verleihen, solchergestalt, daß Euer Oberkoch / das werde ich sein / durch Recht, Gesetz und Gewalt einem jeden verwehren kann, der Andren Portion aufzuessen.“
Très-Long und die andern riefen aus:
„Es lebe Lamm! Recht, Gesetz und Macht soll dir zustehen!“
„Aber ich habe Euch noch eine andere Bitte demütig zu stellen. Ich bin fett, groß und stark, tief ist mein Bauch, tief mein Magen. Meine arme Frau / Gott gebe sie mir wieder, / gab mir allzeit zwei Portionen anstatt einer. Bewilligt mir die gleiche Gunst.“
Très-Long, Ulenspiegel und die Matrosen sagten:
„Du sollst zwei Portionen haben, Lamm.“