Und Lamm sagte, plötzlich melancholisch werdend:
„Mein Weib, mein süßes Liebchen, wenn irgend etwas mich über Deine Abwesenheit trösten kann, so wird es das sein, daß ich mich bei meinem Tun deiner himmlischen Kochkunst in unserm trauten Heim erinnere.“
„Du mußt den Eid ablegen, mein Sohn,“ sagte Ulenspiegel. „Bringt die große, hölzerne Kelle und den großen Kupferkessel herbei.“
„Ich schwöre bei Gott, der mir hierin beistehe,“ sprach Lamm, „ich schwöre Treue seiner Gnaden, dem Prinzen von Oranien, genannt der Schweiger, der für den König die Provinzen Holland und Zeeland regiert; Treue auch Messire de Lumey, dem kommandierenden Admiral unsrer edlen Flotte, und Herrn Très-Long, Vizeadmiral und Kapitän des Schiffes „Briel“. Ich schwöre, das Fleisch und Geflügel, so Fortuna uns bewilligt, nach meinen geringen Kräften zu bereiten, gemäß den Bräuchen und Gepflogenheiten der großen Köche von ehemals, die schöne Bücher mit Bildern über die erhabene Kochkunst hinterlassen haben; ich schwöre, besagten Herrn Kapitän Très-Long zu speisen und seinen Leutnant, meinen Freund Ulenspiegel, desgleichen Euch alle, Oberbootsmann, Steuermann, Aufseher, Kameraden, Soldaten, Kanoniere, Mundschenk, Schiffsjunge, Kapitänsbursche, Wundarzt, Trompeter, Matrosen und alle. Wenn der Braten zu blutig, das Geflügel zu wenig gebräunt ist, wenn die Suppe einen schalen Geruch ausströmt, so der guten Verdauung schädlich ist, wenn der Duft der Brühen Euch nicht alle verlockt, Euch in die Küche zu stürzen — mit Vorbehalt meiner Zustimmung — wenn ich Euch nicht alle lustig mache und Euch kein rundes Gesicht verschaffe, so werde ich mein edles Amt niederlegen und mich für unfähig erachten, den Küchenthron fürder innezuhaben. So helfe mir Gott in diesem und im künftigen Leben.“
„Es lebe der Oberkoch,“ riefen sie, „der König der Küche, der Kaiser der Fleischgerichte. Am Sonntag soll er drei Portionen statt zweier haben.“
Und Lamm ward Oberkoch auf dem Schiffe „Briel“. Und während die kräftigen Suppen in den Töpfen kochten, stand er stolz an der Küchentür und hielt seine große hölzerne Kelle wie ein Zepter.
Und am Sonntag bekam er seine drei Portionen.
Wenn die Geusen mit dem Feinde handgemein wurden, hielt er sich gern in seinem Laboratorium für Brühen auf, kam jedoch heraus, um auf Deck etliche Büchsenschüsse abzugeben, stieg aber alsbald wieder hinunter, um auf seine Brühen zu achten.
Und da er also ein treuer Koch und tapferer Soldat war, so war er bei jedem beliebt.
Aber keiner durfte seine Küche betreten, denn dann war er wie ein Teufel und schlug und stach mit seiner Holzkelle ohne Erbarmen.