Aber Ulenspiegel setzte seine Rede fort:
„Einmal hörte ich sie ein vlämisches Lied singen und fand ihre Stimme lieblich.“
„Ach,“ sprach Lamm, „auch sie sang und spielte die Laute.“
„Weißt Du die andere Zeitung?“ fuhr Ulenspiegel fort.
„Ich weiß sie nicht, mein Sohn,“ antwortete Lamm.
Ulenspiegel entgegnete:
„Wir haben Befehl erhalten, mit unsern Schiffen die Schelde bis Antwerpen hinunterzufahren, um dort feindliche Schiffe zu nehmen oder zu verbrennen. Was die Männer betrifft, so wird kein Quartier gegeben. Was hälst Du davon, Dickwanst?“
„Ach,“ sprach Lamm, „werden wir in diesem traurigen Lande immer nur von Brennen, Henken, Ertränken und andern Hinrichtungen armer Menschen hören? Wann wird doch der gesegnete Friede kommen, da man ohne Sorge Rebhühner braten, Frikassées von Huhn bereiten, und in der Pfanne die Blutwürste zwischen den Eiern bruzzeln lassen kann? Ich mag die schwarzen lieber, die weißen sind zu fett.“
„Diese holde Zeit wird kommen,“ antwortete Ulenspiegel, „wenn wir in den flandrischen Obstgärten an den Äpfel-, Pflaumen- und Kirschbäumen statt der Früchte an jedem Zweig einen Spanier aufgeknüpft sehen.“
„Ach,“ sagte Lamm, „wenn ich nur meine Frau wiederfinden könnte, meine vielliebe, innig geliebte, herzallerliebste, getreue Frau! Denn versteh mich recht, mein Sohn, ich bin kein Hahnrei gewesen und werde es nimmer sein; dazu war sie zu kühl und ruhig in ihrem Benehmen; sie mied die Gesellschaft der andern Männer. Wenn sie schönen Putz liebte, so war das nur aus weiblicher Neigung. Ich war ihr Koch, Bratenwender und Küchenjunge, das gestehe ich gern; warum bin ich es nicht wieder; aber ich war auch ihr Herr und Ehemann.“