„Mein Sohn, mein Sohn, sie haben ein Schwein aus dem Koben gestohlen und stechen es ab. Oh, die Spitzbuben! Wenn ich doch aufstehen könnte.“
Ulenspiegel ging hinauf und erblickte nichts als den Mönch. Da dieser seiner gewahr wurde, fiel er auf die Kniee und sagte, die Hände zu ihm erhebend:
„Herr Kapitän, Kapitän der tapferen Geusen, die zu Wasser und zu Lande furchtbar sind, Eure Soldaten wollen mich henken, weil ich mich mit der Zunge vergangen habe. Das ist eine ungerechte Strafe, Herr Kapitän, denn alsdann müßten alle Advokaten, Sachverwalter, Prediger und Weiber ein hänfenes Halsband haben, und die Welt würde entvölkert werden. Herr, errettet mich vom Strick. Ich werde für Euch beten, und Ihr werdet nicht verdammt werden, gebt mir Pardon. Der Sprechteufel verleitete mich und zwang mich, unaufhörlich zu reden: das ist ein gar großes Unglück. Dann läuft mir die Galle über und läßt mich tausend Dinge sagen, die ich nicht denke. Gnade, Herr Kapitän, und Ihr Herren alle, bittet für mich.“
Plötzlich erschien Lamm im Hemd auf Deck und sagte:
„Kapitän und Kameraden, es war nicht das Schwein, daß quiekte, sondern der Mönch; des bin ich froh. Ulenspiegel, mein Sohn, ich habe einen großartigen Plan inbetreff des frommen Vaters gefaßt. Schenk ihm das Leben, aber laß ihn nicht frei, sonst wird er noch einen schlechten Streich auf dem Schiffe verüben. Vielmehr laß ihm auf Deck einen engen, recht luftigen Käfig machen, darin er nur sitzen und schlafen kann, wie man sie für die Kapaunen macht. Laß mich ihn füttern, und wenn er nicht soviel ißt, wie ich will, möge er gehenkt werden.“
„Möge er gehenkt werden, wenn er nicht ißt“, sagten Ulenspiegel und die Geusen.
„Was gedenkst Du mit mir zu machen, Dicker?“ fragte der Mönch.
„Das wirst du sehen,“ antwortete Lamm.
Und Ulenspiegel tat, was Lamm wünschte, und der Mönch ward in den Käfig gesetzt, und Jedermann konnte ihn darin nach Belieben betrachten.
Lamm war in die Küche hinuntergegangen; Ulenspiegel ging ihm nach und hörte ihn mit Nele streiten.