Da Lamm dies vernahm, sprach er:
„Was! dieser schlimme Heuchler, der ein Maul hatte wie eine Kloake voll Schmutz und Unrat und von nichts sprach, als das Blut der Reformation zu vergießen! Was! dieser Lobredner der Inquisition und der Edikte! Wehe! dieser schuftige Taugenichts war es!“
Calleken sagte:
„Beschimpfe den Mann Gottes nicht!“
„Der Mann Gottes!“ sprach Lamm, „ich kenne ihn! Er war der Mann der Unflätereien und Zoten. Unseliges Geschick! Mußte meine schöne Calleken diesem geilen Mönch in die Hände fallen. Komm mir nicht nahe, ich ermorde Dich! Und ich, der ich sie so liebte! Mein armes Herz betrogen, das ganz ihr gehörte! Was willst Du hier? Weshalb hast Du mich gepflegt? Du hättest mich sollen sterben lassen. Hebe Dich weg, ich will Dich nicht mehr sehen, hebe Dich weg oder ich werfe Dich ins Meer. Mein Messer! ....“
Sie umarmte ihn und sprach:
„Lamm, lieber Mann, weine nicht. Ich bin nicht, was Du denkst; ich bin diesem Mönch nicht zu Willen gewesen!“
„Du lügst,“ sprach Lamm, weinend und zähneknirschend. „Ach, ich war nimmer eifersüchtig, und jetzt bin ich’s. Traurige Leidenschaft, Zorn und Liebe: der Drang, zu morden und zu umarmen. Hinweg! nein, bleib. Ich war so gut zu ihr. Mordlust beherrscht mich. Mein Messer! Oh! das brennt, verzehrt, nagt ... Du lachst über mich ....“
Und weinend, sanft und demütig umarmte sie ihn.
„Ja,“ sprach er, „ich bin albern in meinem Zorn; ja, Du hütetest meine Ehre, die Ehre, die wir Narren an die Röcke einer Frau hängen. Darum also stecktest Du Dein süßestes Lächeln auf, wenn Du mich batest, mit Deinen Freundinnen zur Messe zu gehen ...“