Sobald der Bettler den Heller hatte, drang er ins Wirtshaus zur Trompete wie der Fuchs in den Hühnerstall und kam im Triumphe zurück, in der Hand eine halbe Wurst und einen dicken Laib Brot.
Plötzlich vernahm Ulenspiegel ein sanftes Getön von Schellentrommeln und Bratschen und sah eine große Schar Frauen tanzen und unter ihnen ein schönes Weib, das eine güldene Kette um den Hals trug.
Der Betteljunge, der vor sattem Behagen lachte, erzählte Ulenspiegel, daß dieses junge schöne Weib die Königin des Bogenschießens sei und Mietje hieße und die Ehefrau Seiner Ehren des Herrn Renonckel, des Gemeindeschöffen wäre. Dann begehrte er von Ulenspiegel sechs Heller Trinkgeld, und dieser gab sie ihm. Nachdem er also gegessen und getrunken, setzte sich der Bettler in die Sonne und stocherte sich die Zähne mit den Nägeln. Da die Bognerinnen Ulenspiegel in seinem Pilgerkleid erblickten, begannen sie in der Runde um ihn zu tanzen und sprachen:
„Guten Tag, schöner Pilger, kommst Du von weit her, Du junger Fant?“
„Ich komme aus Flandern, dem schönen Lande, das Überfluß an verliebten Mägdlein hat“.
Und er gedachte schwermütig an Nele.
„Was war Dein Verbrechen?“ fragten sie und hörten mit Tanzen auf.
„Ich würde nicht wagen es zu beichten, so groß ist es. Aber ich habe andere Dinge an mir, die auch nicht klein sind.“
Da lachten die Weiber und stellten Fragen, warum er solcherart mit dem Pilgerstab, dem Bettelsack und dem Muschelhut reisen müßte.
„Dieweil ich gesagt habe,“ erwiderte er, ein wenig lügend, „daß die Seelenmessen für die Priester von Nutzen sind.“