In Löwen sah er die Henker dreißig Lutherische zumal verbrennen, und der Scheiterhaufen ward mit Schießpulver entzündet. Zu Limburg sah er eine Familie, Männer und Frauen, Töchter und Töchtermänner zur Richtstatt schreiten und Psalmen singen. Der Vater, welcher alt war, schrie, während er verbrannte.

Und Ulenspiegel wanderte auf der armen Erde und empfand Furcht und Schmerz.


36


Auf freiem Felde schüttelte er sich gleichwie ein Vogel oder ein losgelassener Hund, und sein Herz ward wieder guten Mutes angesichts der Bäume, der Wiesen und der hellen Sonne.

Wie er nun während dreier Tage gewandert war, kam er in die Gegend von Brüssel, in die mächtige Gemeinde von Uccle. Als er vor dem Wirtshaus zur Trompete vorbeikam, ward er durch einen himmlischen Duft von Fleischgerichten angelockt. Er fragte einen kleinen Betteljungen, welcher, die Nase nach dem Winde richtend, sich am Wohlgeruch der Tunke ergötzte, wem zu Ehren sich dieser festliche Weihrauch gen Himmel erhöbe. Der aber antwortete, daß die Brüder vom guten Vollmondsgesicht sich nach der Vesper hier versammelten, um die Befreiung der Gemeinde durch die Frauen und Mägdlein von einstmals zu feiern.

Ulenspiegel sah von fern eine Stange mit einem Papageien darauf und ringsumher mit Bögen bewaffnete Weiber. Er fragte, ob die Frauen jetzo zu Bogenschützen würden.

Der Betteljunge, welcher den Duft der Tunke einsog, antwortete, daß zur Zeit des guten Herzogs die nämlichen Bogen in den Händen der Frauen von Uccle mehr denn hundert Räuber vom Leben zum Tode gebracht hätten.

Ulenspiegel wollte mehr davon wissen, doch der Bube sagte, er hätte solchen Hunger und Durst, daß er nicht mehr sprechen würde, es sei denn, daß Ulenspiegel ihm einen Heller für Essen und Trinken gäbe. Ulenspiegel tat es aus Mitleid.