Und die Brüder vom guten Vollmondsgesicht samt ihren Weibern, die mit Ulenspiegel schon zu Tische saßen, sagten, daß dies für die Blinden der Tag des unsichtbaren Schmausens sei und daß die Armen dermaßen die Hälfte ihres Vergnügens einbüßten.

Da der Eierkuchen kam, mit Petersilie und Kapuzinerkresse bestreut und vom Wirt und vier Köchen getragen, wollten sich die Blinden hineinstürzen und fuhren bereits mit den Fingern hinein, doch der Wirt legte nicht ohne Mühe einem jeden sein Teil in seinen Eßnapf.

Die Bognerinnen waren gerührt, da sie sahen, wie jene sich vollstopften und dabei vor Behagen schnoben; denn sie hatten gewaltigen Hunger und verschluckten die Würste wie Austern. Der dobbel Peterman floß in ihre Mägen gleichwie Wasserfälle, die von den Bergen hinabstürzen.

Da sie ihre Näpfe geleert hatten, verlangten sie abermals Pfannkuchen, Fettammern und neue Fleischgerichte. Der Wirt trug ihnen nun eine große Schüssel mit Ochsen-, Kalb- und Hammelknochen auf, welche in einer guten Tunke schwammen, legte ihnen aber nicht vor.

Da sie aber ihr Brot und ihre Hände bis an die Ellenbogen in die Brühe getunkt hatten und nur etliche Rippen, Kalbsknochen und eine Hammelkeule, ja sogar ein paar Ochsenkinnbacken erwischten, da wähnten sie männiglich, daß die Nachbarn das ganze Fleisch hätten, und schlugen einander wütend mit den Knochen ins Antlitz.

Wie nun die Brüder vom guten Vollmondsgesicht sie weidlich verlacht hatten, legten sie einen Teil ihres Festmahls mildtätig auf die Teller der Armen, und wer von ihnen einen Knochen für den Kampf suchte, legte die Hand auf eine Drossel, ein Hühnchen oder etliche Lerchen. Derweil hielten die Frauen ihnen den Kopf hintenüber und gossen ihnen Brüsseler Wein in Menge hinunter. Und wenn sie nach Art der Blinden tasteten, woher diese Ströme von Nektar kämen, erhaschten sie nur einen Frauenrock und wollten ihn festhalten. Der aber entschlüpfte ihnen unversehens. Darum lachten, tranken, aßen und sangen sie.

Etliche, welche die artigen Weiblein witterten, liefen ganz vernarrt und von Liebe behext durch den Saal, aber die boshaften Mädchen führten sie in die Irre, versteckten sich hinter einen Bruder vom guten Vollmondsgesicht und sprachen zu ihnen: „Küsse mich.“ Solches taten sie, aber anstatt einer Frau küßten sie das bärtige Antlitz eines Mannes, nicht ohne barsche Abweisung. Die Brüder vom guten Vollmondsgesicht sangen; sie sangen alle zumal. Und die lustigen Weiblein lachten voll innigen Wohlgefallens, da sie ihre Freude sahen.

Als diese nahrhaften Stunden vorüber waren, sagte der Baas zu ihnen:

„Ihr habt gut gegessen und getrunken; ich bekomme sieben Gulden.“

Jeder von ihnen schwur, er hätte die Börse nicht, und beschuldigte seinen Nachbarn. Daraus entstand eine Schlacht unter ihnen, darin sie versuchten, sich mit Füßen, Fäusten und Köpfen zu stoßen, aber sie vermochten es nicht und schlugen ins Leere, denn die Brüder vom guten Vollmondsgesicht, da sie das Spiel sahen, trennten sie von einander. Und die Schläge regneten in die Luft, einen ausgenommen, welcher durch ein Mißgeschick in das Gesicht des Baas fiel. Der aber ward zornig, untersuchte sie alle und fand nichts denn ein altes Skapulier, sieben Heller, drei Hosenknöpfe und ihre Rosenkränze.