Er sah arme alte Weiblein, die für einen Gulden barfuß rückwärts gingen, um die Sünden etlicher fürnehmer Damen abzubüßen. Am Wegraine hielten etliche Wallfahrer beim Klange von Geigen, Bratschen und Sackpfeifen Schmausereien von gebackenen Fischen und Zechereien von Braunbier. Und der Dampf der leckeren Fleischgerichte stieg wie ein lieblicher Opferduft gen Himmel.
Aber es waren da andere Pilger, Bauern, Bettler und Hungerleider, welche, von der Kirche bezahlt, für sechs Sous rückwärts gingen.
Ein kleines, ganz kahlköpfiges Männlein mit weit aufgerissenen Augen und scheuer Miene sprang rückwärts hinter ihnen, indeß es seine Vaterunser abbetete. Ulenspiegel wollte wissen, um was der Mann solcherart die Krebse nachäffte, trat vor ihn und sprang lächelnd in gleicher Art. Die Geigen, Pfeifen, Bratschen und Dudelsäcke und das Ächzen der Pilger machten die Tanzmusik.
„Jan van den Duivel,“ sprach Ulenspiegel, „läufst Du auf solche Weise, um sicherer zu fallen?“
Der Mann antwortete nicht und fuhr fort, seine Paternoster zu murmeln.
„Vielleicht“, sagte Ulenspiegel, „willst Du wissen, wieviel Bäume auf dem Wege sind? Aber zählst Du nicht auch die Blätter daran?“
Der Mann, der ein Kredo betete, winkte Ulenspiegel zu schweigen.
„Vielleicht“, sagte dieser und hüpfte immer vor ihm her, dieweil er ihm nachahmte, „gehst Du um eines plötzlichen Wahnsinns willen anders denn alle Welt. Doch wer will einem Narren eine weise Antwort entlocken, der ist selbst nicht weise. Ist es nicht also, mein Herr mit dem kahlen Fell?“
Da der Mann noch immer nicht antwortete, fuhr Ulenspiegel fort zu hüpfen; doch er vollführte dabei einen solchen Lärm mit seinen Sohlen, daß der Weg widerhallte gleich wie eine hölzerne Kiste.
„Vielleicht“, sprach Ulenspiegel, „seid Ihr stumm, mein Herr?“