«Nancy!» rief Oliver bestürzt; «was ist dir denn?»
Sie schlug krampfhaft mit den Händen auf ihre Knie und mit den Füßen auf den Boden und hüllte sich darauf schaudernd dicht in ihren Schal. Oliver schürte das Feuer an, sie setzte sich an den Kamin, schwieg noch eine Zeitlang, hob endlich den Kopf empor und blickte umher.
«Ich weiß nicht, wie mir bisweilen wird», sagte sie und stellte sich, als wenn sie eifrig beschäftigt wäre, ihr Haar wieder zu ordnen; «ich glaube, jetzt kommt's von der dumpfen Luft hier im Zimmer. Bist du bereit, mit mir zu gehen, Nolly?»
«Soll ich mit dir fortgehen, Nancy?» fragte Oliver.
«Ja; ich komme von Bill Sikes», erwiderte sie. «Du sollst mit mir gehen.»
«Wozu denn?» fragte Oliver zurückschreckend.
«Wozu?» wiederholte sie, schlug die Augen auf und wandte das Gesicht ab, sobald sie Olivers Blicken begegneten. «Oh! zu nichts Bösem.»
«Das glaube ich dir nicht», sagte er. Er hatte sie genau beobachtet.
«So ist's gelogen, und glaub', was du willst», erwiderte sie und zwang sich zu lachen. «Zu nichts Gutem also.»
Oliver entging es nicht, daß er einige Gewalt über Nancys bessere Gefühle hatte, und wollte sich schon an ihr Mitleid mit seiner hilflosen Lage wenden; allein es fiel ihm ein, daß es kaum elf Uhr wäre, daß noch viele Leute auf den Straßen sein müßten, und daß ihm ja wohl der eine oder andere Glauben schenken würde, wenn er ihn um Beistand anspräche. Er trat vor, als ihm dieser Gedanke durch den Sinn flog, und erklärte hastig und verwirrt, daß er bereit sei.