Wir können nicht entscheiden, ob sich dieser Stoßseufzer auf ihren Seligen oder den Teetopf bezog, auf welchen zum wenigsten ihre Blicke gerichtet waren, und der also auch gemeint sein konnte. Sie hatte kaum die erste Tasse gekostet, als leise geklopft wurde.

«Herein!» rief Mrs. Corney ärgerlich. «Sicher will eins der alten Weiber sterben. Sie sterben immer, wenn ich bei Tisch sitze oder meine Tasse Tee trinke. Bleiben Sie nicht da draußen stehen; Sie lassen sonst die kalte Zugluft herein. Was ist denn schon wieder los?»

«Nichts, Ma'am, nichts», antwortete eine Männerstimme.

«Himmel! sind Sie es wirklich, Mr. Bumble?» rief die Dame jetzt weit freundlicher aus.

«Zu Diensten, Ma'am», erwiderte Bumble, der draußen stehengeblieben war, um seine Schuhe zu reinigen und den Schnee von seinem Hute zu schütteln, und der jetzt eintrat, in der einen Hand seinen dreieckigen Hut und in der anderen ein Bündel. «Darf ich die Tür schließen, Ma'am?»

Mrs. Corney zögerte verschämt, zu antworten, weil es als eine Ungeschicklichkeit angesehen werden konnte, wenn sie mit Mr. Bumble bei geschlossener Tür eine Unterredung unter vier Augen hätte, und Bumble benutzte die Zögerung, um die Tür ohne erhaltene Erlaubnis zu schließen.

«Schlechtes Wetter, Mr. Bumble», bemerkte die Matrone.

«Ja, ja, Ma'am,» sagte Bumble, «schlechte Witterung für das Kirchspiel. Wir haben heute nachmittag zwanzig Brote und anderthalb Käse weggegeben, und das Armenpack ist doch nicht zufrieden. Da ist ein Mann, der in Anbetracht seiner Frau und einer zahlreichen Familie ein großes Brot und ein ganzes Pfund Käse erhielt, und bedankte er sich, bedankte er sich wohl? Prosit die Mahlzeit! Er bettelte obendrein um Kohlen, und wenn's auch nur ein Taschentuch voll wäre, sagte er. Und was wollte er mit den Kohlen? Seine Käse darüber rösten und dann wiederkommen und um noch mehr betteln! So machen sie's, Ma'am – so machen sie's alle. Geben Sie ihnen eine Schürze voll Kohlen, und sie werden übermorgen wiederkommen und eine neue haben wollen – die Frechdachse! Vorgestern kam ein Mann, der kaum einen Fetzen auf seinem Leibe hatte (hier schlug Mrs. Corney verschämt die Augen nieder) – Sie sind verheiratet gewesen, Ma'am, und so kann ich's wohl sagen – in des Direktors Haus, als der Herr gerade eine Mittagsgesellschaft hatte, und bat um Unterstützung. Da er nicht fortgehen wollte und die Gesellschaft belästigte, ließ ihm der Direktor ein Pfund Kartoffeln und ein Maß Hafermehl reichen. ‚Mein Gott,‘ sagte der undankbare Bösewicht, ‚was soll ich damit? Sie könnten mir ebensogut 'ne eiserne Brille geben.‘ – ‚Sehr wohl,‘ erwiderte ihm der Direktor, die Spende wieder an sich nehmend. ‚Ihr werdet hier sonst nichts bekommen.‘ – ‚Dann sterb' ich auf der offenen Straße‘, sagte der Landstreicher. ‚Das werdet Ihr wohl bleiben lassen‘, sagte der Direktor. Der Bettler ging und starb auf der Straße. Was sagen Sie zu 'nem solchen Eigensinne, Mrs. Corney?»

«Es übersteigt alle Begriffe», versetzte die Dame. «Aber halten Sie als ein Mann von Erfahrung die Unterstützungen außerhalb des Armenhauses nicht für sehr nachteilig, Mr. Bumble?»

«Mrs. Corney,» erwiderte der Kirchspieldiener mit dem Lächeln bewußter Überlegenheit, «es ruht vielmehr in ihnen des Kirchspiels Schutz und Sicherheit. Ihr großes Prinzipium ist, den Armen just das zu geben, dessen sie nicht bedürfen; sie werden es dann überdrüssig, wiederzukommen. Deshalb, Mrs. Corney, ist in den impertinenten Zeitungen so oft die Rede davon, daß arme Kranke mit Käse unterstützt würden, was jetzt im ganzen Lande die Regel ist. Dies sind jedoch Dienstgeheimnisse, wovon zu reden jedermann verboten sein sollte, ausgenommen uns Kirchspielbeamten. Mrs. Corney,» fügte Bumble, sein Bündel öffnend, hinzu, «dies ist echter Portwein von bester Qualität, den das Kollegium für die Kranken abzuziehen befohlen hat.»