«Sie bestahlen sie? – Um Gottes willen, was nahmen Sie ihr?»

«Es – das einzige, was sie hatte. Sie bedurfte Kleider, um sich vor der Kälte zu schützen, und Speise, um nicht Hungers zu sterben, hatte es aber trotzdem aufbewahrt, trug es im Busen; und es war von Gold, und sie hätte sich damit vom Tode erretten können.»

«Gold! – Weiter, weiter, Frau. Wer war die Mutter – wann starb sie?»

«Sie gab mir den Auftrag, es aufzubewahren, und vertraute mir als der einzigen Frau, die um sie war. Ich stahl es ihr schon in Gedanken, als sie's mir zeigte; und vielleicht bin ich auch am Tode des Kindes schuld! Man würde den Knaben besser behandelt haben, wenn man alles gewußt hätte.»

«Alles gewußt! – Sprechen Sie, sprechen Sie!»

«Der Knabe ward seiner Mutter so ähnlich, daß ich immer an sie denken mußte, wenn ich ihn sah. Ach, die Ärmste! – und sie war so jung – und so sanft und geduldig! Ich muß Ihnen aber noch mehr sagen – noch viel mehr; – hab' ich's Ihnen noch nicht alles gesagt?»

«Nein, nein, nein – nur schnell – oder es wird zu spät werden!»

«Als die Mutter ihren Tod herannahen fühlte, flüsterte sie mir ins Ohr, wenn das Kind am Leben bliebe, so würde der Tag erscheinen, wo es sich beim Nennen des Namens seiner Mutter nicht beschimpft achten, und Freunde finden –»

«Wie wurde das Kind getauft?»

«Oliver. Das Gold, das ich stahl – war –»