«Was weiter?»
«Ich sah, daß es nicht leicht war, ihn zu erziehen zum Geschäft; er hatte nicht denselben Charakter wie andere Knaben.»
«Hol' ihn der Satan, nein! denn er wäre sonst schon längst ein Spitzbube gewesen.»
«Ich hatte kein Mittel in Händen, ihn zu machen schlimmer», fuhr der Jude, angstvoll Monks Mienen beobachtend, fort; «er hatte in nichts die Hand drin; ich konnt' ihm mit gar nichts einjagen Furcht und Schrecken, und wir arbeiten immer vergeblich, wenn das nicht angeht. Was konnt' ich tun? Ihn ausschicken mit dem Baldowerer und Charley? Es geschah, und wir hatten genug an dem einen Male, mein Bester; ich mußte zittern für uns alle.»
«Das war meine Schuld nicht», bemerkte der finstere Monks.
«Freilich; nein, o nein, mein Lieber, und ich mache Euch auch keinen Vorwurf deshalb; denn wär's nicht geschehen, so wären Eure Blicke vielleicht nicht gefallen auf den Knaben, und wir hätten vielleicht niemals gemacht die Entdeckung, daß er es war, den Ihr suchtet. Nun gut; ich bracht' ihn wieder in meine Gewalt durch die Nancy, und jetzt fängt sie an und wirft sich auf zu seiner Freundin.»
«Schnürt ihr die Kehle zu!» sagte Monks ungeduldig.
«Geht jetzt eben nicht an, mein Lieber,» versetzte Fagin lächelnd; «und außerdem machen wir in dergleichen keine Geschäfte, sonst wär mir's schon lieb, wenn es geschähe über kurz oder lang. Monks, ich kenne diese Dirne, sobald anfängt der Knabe verhärtet zu werden, wird sie sich nicht kümmern um ihn mehr, als um 'nen Holzblock. Ihr wollt, daß er werden soll ein Dieb; ist er noch am Leben, so kann ich ihn jetzt dazu machen; und wenn – wenn – 's ist freilich nicht wahrscheinlich – aber wenn sich das Schlimmste hat ereignet, und er ist tot –»
«Wenn er's ist, so ist's meine Schuld nicht!» unterbrach ihn Monks mit bestürzter Miene und mit bebender Hand den Juden beim Arme fassend. «Merkt wohl, Fagin! ich habe keine Hand dabei im Spiel gehabt. Ich hab's Euch von Anfang an gesagt, alles – nur nicht, daß er sterben sollte. Ich mag kein Blut vergießen – es kommt stets heraus und peinigt einen außerdem! Ist er totgeschossen, so kann ich nichts dafür; hört Ihr, Fagin? – Was – ist der Teufel in dieser verwünschten Spelunke los? – was war das?»
«Was – in aller Welt?» schrie der Jude, Monks mit beiden Armen umfassend, als derselbe plötzlich im höchsten Schrecken emporsprang. «Was – wo?»