«Die Ehre?» sagte der Doktor. «Doch mag sein, daß es ebenso ehrenvoll ist, einen Dieb in einem Waschhause, wie einen Gegner auf zwölf Schritte weit zu treffen. Bilden Sie sich ein, er hätte in die Luft geschossen und Sie haben ein Duell gehabt, Giles.»
Mr. Giles, der in dieser scherzhaften Behandlung der Sache einen ungerechten Versuch erblickte, seinen Ruhm zu verkleinern, erwiderte ehrerbietig, daß es seinesgleichen nicht zukäme, ein Urteil darüber auszusprechen, allein er lebe doch des Glaubens, daß die Sache für den Getroffenen kein Spaß gewesen sei.
«Beim Himmel, das ist wahr!» sagte der Doktor. «Wo ist er? Führen Sie mich zu ihm. Ich werde bald wieder bei Ihnen sein, Mrs. Maylie. Das ist das kleine Fenster, durch das er eingestiegen ist? Es ist kaum zu glauben.»
Er folgte, fortwährend sprechend, Mr. Giles die Treppe hinauf, und während er hinaufgeht, sei dem Leser gesagt, daß Mr. Losberne, der auf zehn Meilen im Umkreise unter dem Namen des «Doktors» bekannte Wundarzt, mehr infolge eines heiteren Temperaments als guten Lebens beleibt geworden und ein so gutherziger und biederer, nebenher auch wunderlicher alter Junggeselle war, daß man in einem fünfmal größeren Umkreise kaum seinesgleichen finden dürfte.
Der Doktor blieb weit länger fort, als es die Damen vermutet hatten. Es wurde ein langer, flacher Kasten aus dem Gig geholt, häufig geklingelt, die Dienerschaft lief treppauf, treppab; mit einem Worte, es mußte wohl etwas Wichtiges vorgehen. Endlich trat er mit einer äußerst geheimnisvollen Miene wieder herein, verschloß die Tür sorgfältig und sagte, während er mit dem Rücken an sie gelehnt stehenblieb, als wenn er verhindern wollte, daß jemand hereinkäme: «Mrs. Maylie, dies ist ein ganz wunderbarer Fall.»
«Ich will doch hoffen, daß der Patient sich nicht in Gefahr befindet?» fragte die alte Dame.
«Es würde den Umständen nach nicht zu verwundern sein,» erwiderte Losberne, «obwohl ich es nicht glaube. Haben Sie den Dieb gesehen?»
«Nein.»
«Auch sich ihn nicht beschreiben lassen?»
«Nein.»