«Bitt' um Vergebung, Ma'am», fiel Giles ein; «ich wollte Ihnen eben eine Beschreibung von ihm geben, als Doktor Losberne erschien.»

Die Sache verhielt sich indes so, daß sich Mr. Giles nicht hatte überwinden können, das Geständnis zu machen, daß er nur einen Knaben getroffen habe. Er hatte wegen seines mutvollen Benehmens so große Lobsprüche erhalten, daß er nicht umhin gekonnt, die Aufhellung der Sache noch ein paar entzückende Minuten aufzuschieben, um noch ein Weilchen in dem süßen Bewußtsein des Ruhmes einer unerschütterlichen Herzhaftigkeit zu schwelgen.

«Rose wünschte den Mann zu sehen,» sagte Mrs. Maylie, «allein ich wollte nichts davon hören.»

«Hm!» sagte der Doktor. «Er sieht aber nicht eben sehr fürchterlich aus. Möchten Sie ihn auch nicht in meiner Gegenwart sehen?»

«Warum nicht, wenn Sie es für notwendig halten?» erwiderte die alte Dame.

«Ich muß es für notwendig erklären oder bin doch jedenfalls überzeugt, daß Sie es gar sehr bedauern würden, es nicht getan zu haben, wenn Sie ihn später zu sehen bekämen. Er ist vollkommen ruhig, und wir haben auch in allen Beziehungen für ihn gesorgt. Erlauben Sie mir Ihren Arm, Miß Rose. Auf meine Ehre, Sie brauchen nicht im mindesten Furcht zu hegen.»

30. Kapitel.

Was die beiden Damen Maylie und Doktor Losberne von Oliver denken.

Der Doktor legte unter noch viel anderen redseligen Versicherungen, daß die Damen durch den Anblick des Verbrechers angenehm überrascht werden würden, den Arm der jüngeren in den seinigen, bot Mrs. Maylie seine andere freie Hand und führte sie mit der förmlichsten Galanterie die Treppe hinauf.

«Lassen Sie mich nun hören, was Sie von ihm denken», sagte er, als sie vor der Tür des Patienten standen. «Er hat sich seit vielen Tagen den Bart nicht abnehmen lassen, sieht aber trotzdem keineswegs wie ein Gurgelabschneider aus.»