«Du hast ganz recht, Duff», sagte Blathers mit bekräftigendem Kopfnicken und mit den Handfesseln spielend, als wenn sie ein Paar Kastagnetten gewesen wären. «Wer ist der Knabe? Welche Auskunft gibt er über sich? Woher kam er? Er wird doch nicht aus den Wolken gefallen sein, Sir?»
«Natürlich, nein», sagte Losberne, den Damen einen unruhigen Blick zuwerfend. «Mir ist indessen sein ganzer Lebenslauf bekannt, und – doch wir können nachher darüber sprechen. Wollen Sie nicht vor allen Dingen die Stelle sehen, wo die Diebe einzubrechen versuchten?»
«Allerdings,» erwiderte Blathers. «Wir nehmen zuerst die Stelle in Augenschein und verhören sodann die Dienerschaft. Das pflegt der gewöhnliche Gang des Geschäfts zu sein.»
Es wurde Licht gebracht, und die Herren Blathers und Duff, in Begleitung des Konstablers des Ortes, Brittles', Giles' und, mit einem Worte, sämtlicher sonstiger Hausbewohner, begaben sich in das kleine Gemach am Ende des Hausflurs und sahen aus dem Fenster, gingen darauf hinaus und sahen in das Fenster hinein, besichtigten den Fensterladen, spürten den Fußtritten nach beim Scheine einer Laterne und durchstachen die Büsche vermittels einer Heugabel. Nachdem dies alles geschehen war und alle das Vorgehen der Beamten mit atemloser Teilnahme verfolgt hatten, gingen Blathers und Duff wieder hinein und vernahmen Giles und Brittles über ihren Anteil an den Begebenheiten der Schreckensnacht; beide Diener erzählten sechsmal statt einmal und widersprachen einander beim ersten nur in einem einzigen wichtigen Punkte und beim letzten nur in einem Dutzend wesentlicher Aussagen. Nach Beendigung des Verhörs wurden Giles und Brittles entlassen, und die Herren Blathers und Duff hielten eine lange Beratung ab, im Vergleich zu der in Beziehung auf Heimlichkeit und Feierlichkeit eine Konsultation berühmter Doktoren über den schwierigsten Krankheitsfall bloßes Kinderspiel gewesen wäre.
Losberne ging unterdessen im anstoßenden Zimmer sehr unruhig auf und ab, und Mrs. Maylie und Rose schauten ihm mit noch größerer Unruhe zu.
«Auf mein Wort,» sagte er, plötzlich stillstehend, «ich weiß kaum, was hier zu tun ist.»
«Wenn den beiden Männern», versetzte Rose, «die Geschichte des unglücklichen Knaben erzählt würde, wie sie ist, es wäre sicher genug, ihn in ihren Augen von Schuld zu entlasten.»
«Das muß ich bezweifeln, meine werte junge Dame», wandte der Doktor kopfschüttelnd ein. «Ich glaube nicht, daß es sie oder auch die höheren Polizei- oder Justizbeamten befriedigen würde. Sie würden sagen, er sei jedenfalls ein fortgelaufener Kirchspielknabe und Lehrling. Nach rein weltlich-verständigen Erwägungen und Wahrscheinlichkeiten beurteilt, unterliegt seine Geschichte großen Zweifeln.»
«Sie schenken ihr doch Glauben?» fiel Rose hastig ein.
«Ich schenke ihr Glauben, so befremdlich sie lautet, und bin vielleicht ein großer Tor, weil ich es tue,» versetzte der Doktor; «allein nichtsdestoweniger halte ich sie keineswegs für eine solche, die einen erfahrenen Polizeibeamten zufriedenstellen würde.»