«Ich habe überlegt – jahrelang überlegt – fast so lange, wie ich mit Ernst zu überlegen fähig bin. Meine Gefühle sind unverändert geblieben – werden stets unverändert bleiben, und warum sollte ich die Pein des Aufschiebens und Wartens erdulden, was ja schlechterdings keinen Nutzen haben kann. Ja, Rose muß mich anhören, bevor ich wieder abreise!»
«Sie soll es», sagte Mrs. Maylie.
«Ihr Ton scheint fast anzudeuten, daß sie mich kalt anhören wird, Mutter», sagte der junge Mann angstvoll.
«Nichts weniger als dies», erwiderte die alte Dame; «weit entfernt davon.»
«Hat sie auch wirklich keine andere Neigung?»
«Nein; ich müßte sehr irren, wenn du ihr Herz nicht bereits in nur zu hohem Maße besäßest. – Höre mich an,» fuhr sie fort, als ihr Sohn im Begriff stand, zu antworten; «ich will nur noch dieses sagen. Bedenke, ehe du dein Alles auf diesen Wurf setzest, ehe du dich zur höchsten Hoffnungsstufe emportragen lässest, bedenke Roses Lebensgeschichte, mein lieber Sohn, und überlege, welche Wirkung es auf ihre Entscheidung haben kann, wenn sie von ihrer zweifelhaften Herkunft in Kenntnis gesetzt wird; – denn sie ist uns mit aller Innigkeit ihres edlen Gemüts ergeben, und die vollkommenste Selbstaufopferung in großen wie in geringen Dingen bezeichnete stets ihre Denkart.»
«Was wollen Sie damit sagen, Mutter?» fragte der junge Mann.
«Ich will es dir zu erraten überlassen», versetzte Mrs. Maylie. «Ich muß wieder zu Rose gehen. Gott sei mit dir!»
«Werde ich Sie heute abend noch wiedersehen?»
«Ja, sobald ich Rose verlasse.»