«Noch ein Wort, Rose», sagte Harry. «Deine wahren, eigentlichen Gründe. Laß sie mich aus deinem eigenen Munde hören.»

«Deine Aussichten sind glänzend», erwiderte sie mit Festigkeit. «Dir winken alle Ehren, zu denen bedeutende Talente und einflußreiche Verbindungen zu verhelfen vermögen. Aber deine Anverwandten und Gönner sind stolz, und ich will mich ihnen weder aufdrängen, die Mutter verachten, die mir das Leben gab, noch auf den Sohn der Frau, die Mutterstelle an mir vertrat, Unehre bringen oder schuld an der Vereitelung seiner Hoffnungen und Aussichten sein. Mit einem Worte,» fuhr sie, sich abwendend, als wenn die Festigkeit sie verließe, fort, «es klebt ein Makel an meinem Namen, wie ihn die Welt an den Unschuldigen nun einmal heimsucht; er soll in kein fremdes Blut übergehen, sondern der Vorwurf auf mir allein haften bleiben.»

«Noch ein Wort, teuerste Rose – noch ein einziges Wort», rief Harry, sich vor ihr niederwerfend. «Wäre ich minder – minder glücklich, wie es die Welt nennt – wäre mir ein dunkles und stilles Los beschieden gewesen – wäre ich arm, krank, hilflos – würdest du mich dann auch zurückweisen, oder entspringen deine Bedenken aus meinen vermuteten Aussichten auf Reichtümer und Ehren?»

«Dränge mich nicht zu einer Antwort auf diese Frage», versetzte Rose. «Es kann und wird keine Veranlassung kommen, sie aufzuwerfen, und es ist nicht recht, nicht freundlich von dir –»

«Wenn deine Antwort lautete, wie ich es fast zu hoffen wage,» unterbrach Harry das bebende Mädchen, «so würde ein Wonnestrahl auf meinen einsamen Weg fallen und den düsteren Pfad vor mir erhellen. Wieviel kannst du durch die wenigen kurzen Worte für mich tun, der ich dich über alles liebe! O Rose, bei meiner glühenden, unvergänglichen Neigung – bei allem, was ich für dich gelitten und nach deinem Ausspruche leiden soll – beantworte mir die eine Frage!»

«Nun wohl!» erwiderte sie; «wenn dir ein anderes Los beschieden gewesen wäre – wenn du immerhin ein wenig, doch nicht so hoch über mir ständest, wenn ich dir bei beschränkten Verhältnissen eine Gehilfin und Trösterin sein könnte, statt in glänzenden dich nur zu hindern, zu hemmen und zu verdunkeln, so würde ich dir diese ganze Pein erspart haben. Ich habe jetzt alle, alle Ursache, zufrieden und glücklich zu sein, würde dann aber, ich bekenne es, Harry, mein Glück erhöht achten.»

Lebhafte Erinnerungen an alte, süße Hoffnungen, die sie als aufblühende Jungfrau lange gehegt, drängten sich ihr bei diesem Geständnisse auf und brachten Tränen mit, wie es alte Hoffnungen tun, wenn sie verwelkt vor der Seele auftauchen; allein sie schafften ihrem gepreßten Herzen Erleichterung.

«Ich kann meiner Schwäche nicht wehren, und sie bestärkt mich in meinem Entschluß», fügte sie, dem Geliebten die Hand reichend, hinzu. «In Wahrheit, Harry, ich muß dich verlassen.»

«So bitte ich um ein Versprechen», flehte er. «Laß mich noch ein einziges Mal – in einem Jahr oder vielleicht noch weit früher – ein letztes Mal über diesen Gegenstand zu dir reden.»

«Nicht um in mich zu dringen, daß ich meinen wohlüberlegten Entschluß ändere, Harry; es würde vergeblich sein», erwiderte Rose mit einem wehmütigen Lächeln.