Beide schwiegen, und Rose verhüllte ihr Antlitz und ließ ihren Tränen freien Lauf. Harry hielt noch immer ihre Hand stumm in der seinigen. «Und deine Gründe, Rose», begann er endlich mit leiser Stimme; «darf ich die Gründe wissen, die dich zu dieser Entscheidung drängen?»

«Du hast ein Recht, nach ihnen zu fragen,» erwiderte Rose, «kannst indes nichts sagen, was meinen Beschluß zu ändern vermöchte. Es ist eine Pflicht, die ich üben muß. Ich bin es andern schuldig wie mir selbst.»

«Dir selbst?»

«Ja, Harry, ich bin es mir selber schuldig, daß ich, ein verwaistes, vermögensloses Mädchen mit einem Flecken auf meinem Namen, der Welt keinen Grund gebe, zu wähnen, ich hätte aus niedrigen Antrieben deiner ersten Leidenschaft nachgegeben und mich als ein Bleigewicht an deine Hoffnungen und Entwürfe geheftet. Ich bin es dir und deinen Angehörigen schuldig, dir zu wehren, im Feuer deiner edlen Gefühle ein solches Hemmnis deines Vorwärtsschreitens in der Welt dir aufzubürden.»

«Wenn deine Neigungen mit deinem Pflichtgefühl zusammenstimmen –», begann Harry.

«Das ist nicht der Fall», unterbrach ihn Rose, tief errötend.

«So erwiderst du also meine Liebe?» sagte Harry. «Sage mir nur dies eine, nur dies eine, Rose, und lindere die Bitterkeit meiner harten Täuschung.»

«Wenn ich dürfte, ohne ihm, den ich liebte, ein schweres Leid zuzufügen,» erwiderte Rose, «so würde ich –»

«So würdest du die Erklärung meiner Liebe ganz anders aufgenommen haben?» fiel Harry in der größten Spannung ein. «O Rose, verhehle mir das wenigstens nicht.»

«Nun ja», sagte die Jungfrau. «Doch», fügte sie, ihre Hand der seinigen entziehend, hinzu, «warum diese peinliche Unterredung fortsetzen, die für mich am schmerzlichsten, wenn auch ein Quell der reinsten Freude ist? Denn es wird mir allerdings stets ein hohes Glück gewähren, einst von dir wie jetzt beachtet und geliebt zu sein, und jeder neue Triumph, den du im Leben erringst, wird mich mit neuer Kraft und Festigkeit erfüllen. Lebe wohl, Harry, denn wir dürfen uns so nie wiedersehen, wenn uns auch in anderen Beziehungen die schönsten, innigsten Bande umschlingen. Möge dir jeder Segen zuteil werden, den das Flehen eines treuen und aufrichtigen Herzens von dort, wo die Wahrheit thront und alles Wahrheit ist, auf dich herabrufen kann!»