«Frau, sei so gut, mich anzusehen», sagte Bumble und dachte bei sich selbst: «Wenn sie solch einen Blick aushält, so hält sie alles aus. Er hat bei den Armen niemals seinen Zweck verfehlt, und verfehlt er ihn bei ihr, so ist es mit meiner Macht und Gewalt vorbei.»
Er verfehlte seinen Zweck. Mrs. Bumble wurde keineswegs durch ihn überwältigt, sondern erwiderte ihn durch einen äußerst verächtlichen, und verband damit obendrein ein Gelächter, das zum wenigsten klang, als wenn es ihr von Herzen käme.
Als Bumble die unerwarteten Töne vernahm, sah er zuerst ungläubig und dann erstaunt aus, worauf er wieder in sein Brüten und Sinnen verfiel, aus welchem ihn jedoch Mrs. Bumble erweckte. «Willst du den ganzen Tag dasitzen und schnarchen?» fragte sie.
«Ich denke hier so lange sitzen zu bleiben, wie es mir beliebt», entgegnete er; «und obschon ich keineswegs schnarchte, so bin ich doch gewillt, von meinem Rechte Gebrauch zu machen und ganz nach meinem Gefallen zu schnarchen, zu niesen, zu lachen oder zu weinen, oder was mir eben sonst behagt.»
«Von deinem Rechte!» höhnte Mrs. Bumble mit unsäglich verächtlicher Miene.
«Ja, von meinem Rechte! Es ist das Recht des Mannes, nach seinem Willen zu leben und zu befehlen.»
«Und was ist denn ins Kuckucks Namen das Recht der Frau?»
«Nach des Mannes Willen zu leben und zu gehorchen. Dein unglücklicher, erster Mann hätte es dich lehren sollen; er wäre dann vielleicht noch am Leben – und ich wollte, daß er es wäre, der gute Mann!»
Mrs. Bumble erkannte, daß der entscheidende Augenblick gekommen war, und daß es galt, sich der Herrschaft ein für allemal zu bemächtigen, oder ihr für immer zu entsagen. Sie sank daher auf einen Stuhl nieder, erklärte Mr. Bumble für einen Unmenschen mit einem Kieselherzen und brach in einen Tränenstrom aus.
Allein Tränen waren es nicht, was zu Mr. Bumbles Herzen drang; es war wasserdicht. Den Filzhüten gleich, welche gewaschen werden können und durch Regen besser werden, wurden seine Nerven durch Tränenschauer noch fester, die ihn als Zeichen der Schwäche und somit als stillschweigende Anerkenntnisse seiner Obergewalt erfreuten und stolz machten. Er blickte seine Hausfrau mit großer Zufriedenheit an und bat und munterte sie auf alle Weise auf, nur immerzu zu weinen, und nach besten Kräften, denn es sei äußerst gesund, wie die Ärzte versicherten.