«Es erweitert die Lungen, wäscht das Gesicht rein, schärft die Augen und kühlt ein zu heißes Temperament ab», sagte er; «also weine ja nur immerzu.» – Nachdem er die scherzenden Worte gesprochen, griff er zu seinem Hute, setzte ihn kecklich auf die eine Seite, wie ein Mann, der seine Überlegenheit fühlt und auf geeignete Weise zeigen will, steckte die Hände in die Taschen und setzte sich stolzierenden Schritts nach der Tür in Bewegung.
Mrs. Bumble hatte einen Versuch mit den Tränen angestellt, weil sie minder mühsam waren als ein Faustangriff; indes war sie vollkommen bereit, eine Probe mit dem letzteren Verfahren zu machen, was Mr. Bumble auch nicht lange verborgen blieb.
Die erste Kunde, welche er davon erhielt, bestand in einem dumpfen Schalle, welcher die unmittelbare Folge hatte, daß sein Hut an das äußerste Ende des Zimmers flog. Sobald durch dieses vorläufige Beginnen sein Kopf entblößt war, packte ihn die erfahrene Dame mit der einen Hand bei der Kehle und ließ mit der andern einen Hagel von Schlägen, und zwar ebenso gewandt wie wirksam auf sein Haupt niederfallen. Hierauf brachte sie ein wenig Abwechslung in ihr Vorgehen, indem sie ihm das Gesicht zerkratzte und Hände voll Haare ausraufte, und nachdem sie ihn nunmehr so nachdrücklich bestraft hatte, wie sie es dem Vergehen nach für nötig erachtete, warf sie ihn über einen Stuhl, der nicht zweckmäßiger hätte stehen können und forderte ihn auf, noch einmal von seinen Rechten zu sprechen, wenn er es wagen wollte.
«Laß los!» rief er in befehlendem Tone, «und mach' sogleich, daß du fortkommst, wenn du nicht willst, daß ich etwas Desperates tue.» Er stand mit den allerkläglichsten Mienen auf, sann darüber nach, was wohl ganz desperat sein möchte, hob seinen Hut auf und blickte nach der Tür.
«Gehst du bald?» fragte Mrs. Bumble.
«Ich gehe schon, ja doch», erwiderte er, sich rasch nach der Tür zurückziehend; «ich beabsichtige keineswegs – wirklich, ich gehe schon, Liebe – du bist aber auch so heftig, daß ich fürwahr –»
Mrs. Bumble bückte sich in diesem Augenblick, um den in Unordnung geratenen Teppich wieder zurecht zu schieben, und ihr Eheherr schoß hinaus, ohne daran zu denken, seine Rede zu vollenden, und ließ weiland Mrs. Corney im ungestörten Besitz des Schlachtfeldes. – Mr. Bumble war der Überraschung erlegen und ohne Frage vollständig in die Flucht geschlagen. Er hatte die entschiedenste Neigung zum Bramarbasieren, nichts konnte ihm größere Freude gewähren, als Verübung kleiner Tyrannei und Grausamkeit, und er war demnach, wie kaum gesagt zu werden braucht, eine Memme. Hierdurch wird indes sein Charakter keineswegs heruntergesetzt, da so viele Beamte, die in hoher Achtung stehen und höchlich bewundert werden, die Opfer ähnlicher Schwächen sind. Wir haben jene Bemerkung vielmehr zu seinen Gunsten gemacht, und um unsern Lesern noch mehr zu Gemüt zu führen, wie trefflich sich Bumble zu einem Beamten eignete.
Das Maß seiner Erniedrigung war indes noch nicht voll. Nachdem er einen Gang durch das ganze Haus gemacht und zum erstenmal daran gedacht hatte, daß die Armengesetze doch wirklich zu streng wären, und daß Männer, die von ihren Frauen fortliefen und die Erhaltung derselben dem Kirchspiele aufbürdeten, von Rechts wegen ganz und gar nicht bestraft, sondern vielmehr als verdiente Individuen und Märtyrer belohnt werden sollten, kam er in ein Gemach, in welchem die Bewohnerinnen des Armenhauses beschäftigt zu werden pflegten, das Kirchspielleinenzeug zu waschen, und in welchem er lautes Sprechen hörte.
«Hm!» sagte er, seine ganze angeborene Würde annehmend; «zum wenigsten sollen diese Weiber auch fernerhin meine Rechte achten. Holla – Blitz und Hagel! – wie könnt ihr euch unterstehen, einen solchen Lärm zu machen, verwünschtes Weibsvolk?»
Er öffnete mit diesen Worten die Tür, schritt hochfahrend und zornig hinein, nahm jedoch unmittelbar darauf die demütigste Miene an, denn er erblickte seine Hausehre. «Ich wußte nicht, daß du hier wärst, lieber Schatz», sagte er.