Er ging eine Zeitlang auf und ab, bis sich die erste Heftigkeit seines Kummers gelegt hatte. Sie ließ indes Durst zurück. Er schritt an vielen Wirtshäusern vorüber und stand endlich vor einem in einem Nebengäßchen befindlichen still, dessen Gaststube, wie er durch einen flüchtigen Blick sich überzeugte, leer war. Nur ein einziger Mann saß darin. Es fing eben an stark zu regnen, und dies bestimmte ihn. Er ging hinein und forderte ein Glas Branntwein.

Der im Gastzimmer sitzende Mann war groß und schwärzlich und hatte sich in einen weiten Mantel gehüllt. Er schien ein Fremder und ziemlich weit gewandert zu sein, denn er sah ermüdet aus und hatte staubige Stiefel an. Er blickte Bumble, als dieser eintrat, von der Seite an, ließ sich aber zur Entgegnung seines Grußes kaum zu einem Kopfnicken herab. Bumble besaß Würde genug für zwei, trank daher sein Glas Branntwein mit Wasser stillschweigend, und nahm mit großer Wichtigkeit ein Zeitungsblatt zur Hand. Wie es indes unter Umständen dieser Art zu geschehen pflegt, er empfand eine starke Neigung, der er nicht widerstehen konnte, von Zeit zu Zeit nach dem Unbekannten verstohlen hinüberzublicken, worauf er stets die Augen etwas verwirrt wieder niedersenkte, da der Unbekannte jedesmal dasselbe tat. Seine Verwirrung wurde noch durch den auffallenden Ausdruck der Augen des letzteren vergrößert, welche scharf und durchdringend waren, und aus denen finstere, argwöhnische Blicke hervorschossen, wie Bumble sie noch nie gesehen, und die seinen Mienen etwas höchst Abstoßendes gaben.

Als die Blicke beider einander auf diese Weise mehrmals begegnet waren, brach endlich der Fremde das Stillschweigen.

«Sahen Sie nach mir,» hub er mit tiefer, rauher Stimme an, «als Sie in das Fenster hereinblickten?»

«Nicht daß ich wüßte, sofern Sie nicht Mr–» Bumble unterbrach sich hier selbst. Er wünschte den Namen des Fremden zu erfahren und hoffte, daß derselbe sich nennen würde.

«Ah, Sie haben also nicht nach mir hereingeblickt,» sagte der Unbekannte, spöttisch den Mund verziehend, «denn Sie würden sonst meinen Namen kennen. Ich möchte Ihnen raten, nicht danach zu fragen.»

«Ich habe nichts Böses gegen Sie im Sinn, junger Mann», entgegnete Bumble, sich in die Brust werfend.

«Und haben mir auch nichts Böses zugefügt», lautete die rasche Antwort.

Es trat wiederum Stillschweigen ein, das der Fremde nach einiger Zeit zum zweitenmal unterbrach. «Ich sollte meinen, daß ich Sie schon gesehen hätte. Sie waren zu der Zeit anders gekleidet, und ich begegnete Ihnen nur auf der Straße, erkenne Sie aber wieder. Waren Sie nicht Kirchspieldiener hier im Orte?»

Bumble bejahte nicht ohne einige Verwunderung.