«Morgen.»
«Abends um neun Uhr», sagte der Unbekannte und schrieb mit etwas zitternder Hand die Adresse eines abgelegenen Hauses auf. «Bringen Sie sie abends um neun Uhr zu mir. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, insgeheim, denn es ist Ihr Vorteil.»
Er ging darauf mit Bumble zur Tür, bezahlte den Wirt, bemerkte, daß sie sich hier trennen müßten, schärfte dem Armenhausverwalter noch einmal Pünktlichkeit ein und ging. Bumble sah auf die Adresse; sie hatte keinen Namen. Er folgte daher dem Unbekannten nach, um ihn darum zu befragen und berührte seinen Arm.
«Was soll das?» fuhr ihn der Unbekannte, sich rasch umdrehend, an. «Warum folgen Sie mir nach?»
«Ich muß doch wissen, nach wem ich zu fragen habe», sagte Bumble; «darf ich nicht um Ihren Namen bitten?»
«Monks!» erwiderte der Unbekannte und entfernte sich mit eiligen Schritten.
38. Kapitel.
Was sich zwischen Mr. und Mrs. Bumble und Monks bei ihrer nächtlichen Zusammenkunft begab.
Es war ein schwüler Sommerabend; die Wolken, welche den ganzen Tag gedroht hatten, dehnten sich zu einer breiteren und dichteren Masse aus, aus welcher schon dicke Regentropfen herabfielen, und schienen ein heftiges Gewitter zu verkünden, als sich Mr. und Mrs. Bumble aus einer der Hauptstraßen der Stadt nach einer kleinen Kolonie zerstreut stehender und verfallener Häuser wandten, die etwa anderthalb Meilen entfernt sein mochten, und in einer sumpfigen Niederung am Themseufer erbaut waren. Sie hatten sich beide in schäbige Mäntel eingehüllt, vielleicht sowohl um sich vor dem Regen zu schützen, wie um unbemerkt zu bleiben. Mr. Bumble trug eine Laterne, in welcher jedoch kein Licht brannte, und ging ein paar Schritte voran, als hätte er – denn der Weg war schmutzig – seiner Frau den Vorteil verschaffen wollen, in seine breiten Fußstapfen zu treten. Sie schritten in tiefem Stillschweigen dahin, Mr. Bumble sah sich bisweilen um, als wenn er sich hätte überzeugen wollen, ob Mrs. Bumble auch nachfolgte, worauf er ebensooft, sie hinter sich gewahrend, seine Schritte wieder beschleunigte.
Ihr Bestimmungsort konnte keineswegs ein zweideutiger heißen, denn er war längst als die Wohnung von verrufenem und verwegenem Gesindel bekannt, das hauptsächlich von Diebstählen und Räubereien lebte. Es war ein Haufen elender Baracken, in deren Mitte am Uferrande ein großes Gebäude stand, das ehemals zu Fabrikzwecken der einen oder anderen Art gedient und den Hüttenbewohnern umher wahrscheinlich Beschäftigung gegeben hatte. Es war indes seit langer Zeit verfallen, und die Ratten, die Würmer und die Feuchtigkeit hatten das Pfahlwerk morsch gemacht, auf welchem es ruhte, so daß schon ein beträchtlicher Teil des Ganzen unter das Wasser gesunken war, während der wankende und über den finsteren Strom hinüberlehnende Rest nur auf eine günstige Gelegenheit zu warten schien, dasselbe Schicksal zu teilen.