«Nein, nein!» entgegnete der Jude. «Ich bin von derselben Wichtigkeit für Euch, wie Ihr es seid selbst.»

«Hört,» unterbrach Mr. Bolter, «Ihr seid ein sehr netter Mann, und ich halte sehr viel von Euch; aber so dicke Freunde, wie Ihr mit dem allen meint, sind wir doch noch nicht.»

«Bedenkt doch, bedenkt doch nur!» sagte der Jude achselzuckend und die Hände ausstreckend. «Ihr habt getan, was sehr hübsch war, und ich ehre und liebe Euch deshalb; aber 's ist auch derart, daß es Euch zugleich einbringen kann die Krawatte, die so leicht ist einzuknüpfen und so schwer wieder aufzubinden – den Strick nämlich!»

Mr. Bolter legte die Hand an sein Halstuch, als wenn es ihm unbequem eng säße, und murmelte eine Art von Beistimmung.

«Der Galgen,» fuhr Fagin fort, «der Galgen, mein Lieber, ist ein häßlicher Wegweiser, der zeigt um eine sehr scharfe Ecke und hat gemacht ein Ende der Weiterreise vieler mutvoller, wackerer Leute auf der großen Heerstraße. Euch zu halten auf der bequemen Straße und zu bleiben dem Galgen fern, muß sein Euer Nummer Eins, mein Lieber.»

«Natürlich», fiel Mr. Bolter ein; «aber wozu redet Ihr von solchen Dingen?»

«Bloß um Euch zu zeigen meine Meinung deutlich», erwiderte Fagin, die Augenbrauen emporziehend. «Ihr könnt das nicht allein, sondern hängt dabei ab von mir, und ich hänge ab von Euch, wenn mein kleines Geschäft soll haben guten Fortgang. Das erste ist Eure Nummer Eins, das zweite ist meine Nummer Eins. Je mehr Euch liegt am Herzen Eure Nummer Eins, desto mehr müßt Ihr sein besorgt für meine; und so kommen wir endlich wieder zurück auf das, was ich Euch sagte gleich anfangs – daß Sorge für Nummer Eins kommt uns allen zugut, und lassen wir's fehlen daran, gehen wir zugrunde miteinander alle.»

«Das ist wohl wahr», bemerkte Bolter gedankenvoll. «Ihr seid, meiner Treu, ein geriebener alter Gesell!»

Fagin erkannte mit innigstem Vergnügen, daß dies keine bloße Schmeichelei war, sondern daß er seinem Rekruten eine bedeutende Vorstellung von seiner Verschlagenheit und Gewalt beigebracht hatte, was beim Beginn ihrer beiderseitigen Bekanntschaft von großer Wichtigkeit war. Um den Eindruck, den er auf den jungen Menschen gemacht hatte, noch zu verstärken, ließ er ihn einige Blicke in die Großartigkeit und den Umfang seiner Operationen tun, wobei er, seinem Zwecke gemäß, Wahrheit und Dichtung so geschickt miteinander vermischte, daß Mr. Bolters Hochachtung gegen ihn sichtlich zunahm und er zugleich eine Zutat heilsamer Furcht erhielt, welche bei ihm zu erwecken äußerst wünschenswert war.

«Dies gegenseitige Vertrauen ist es,» sagte der Jude, «was mich tröstet wegen schwerer Verluste. Erst gestern morgen verlor ich meinen besten Gehilfen.»