«Weshalb führen Sie uns denn aber an einen solchen Ort?» fragte der Herr in einem milderen Tone. «Warum wollten Sie sich nicht dort oben sprechen lassen, wo es hell ist und wo doch Menschen in der Nähe sind?»
«Ich habe es Ihnen schon gesagt, daß ich mich fürchtete, dort mit Ihnen zu reden. Ich weiß nicht, wie es kommt,» sagte Nancy schaudernd, «bin aber so beklommen und zittere so sehr, daß ich kaum auf den Füßen stehen kann.»
«Was fürchten Sie denn?» fragte der Herr mitleidig.
«Ich weiß es selbst kaum», erwiderte das Mädchen. «Den ganzen Tag haben mich schreckliche Gedanken an die verschiedensten Todesarten und blutige Leichentücher heimgesucht, und fortwährend hat mich eine Angst gequält, daß es mir war, als wenn ich mitten im Feuer brannte. Ich las heute abend in einem Buche, um mir die Zeit zu verkürzen, und las nur immer dasselbe heraus.»
«Einbildungen», sagte der alte Herr beruhigend.
«Nein, nein», entgegnete das Mädchen mit heiserer Stimme. «Ich will darauf schwören, daß das Wort ‚Sarg‘ auf jeder Seite des Buches mit großen, schwarzen Lettern gedruckt stand – und erst vor kurzem, als ich hierher ging, ward einer dicht an mir vorübergetragen.»
«Das ist nichts Ungewöhnliches. Ich habe sehr oft Särge an mir vorübertragen sehen.»
«Wirkliche – das war aber dieser nicht.»
Sie sprach dies alles in einem Tone, daß es den versteckten Lauscher kalt überlief, ja, daß ihm das Blut in den Adern erstarrte. Er hatte nie eine größere Herzenserleichterung empfunden, als in dem Augenblicke, da er die süße Stimme der jungen Dame – Roses – vernahm, die Nancy bat, sich zu beruhigen und sich nicht so entsetzlichen Gedanken hinzugeben.
«Reden Sie ihr freundlich zu, der Armen; sie scheint es zu bedürfen», fügte sie, zu ihrem Begleiter sich wendend, hinzu.