«Ich verantworte, was die Leute getan haben. Beklagen Sie sich über Freiheitsberaubung – es stand in Ihrer Gewalt, ihr auf dem Wege hierher ein Ende zu machen; Sie erachteten es aber selbst für rätlich, sich ruhig zu verhalten. Wollen Sie die Gesetze anrufen – tun Sie's; allein ich werde es gleichfalls tun und Ihnen keine Milde mehr zeigen, mich nicht bemühen, Sie zu retten, wenn die Sachen erst einmal vor den Richter gekommen sind.»

Monks war offenbar unentschlossen geworden.

«Entschließen Sie sich rasch», fuhr Brownlow mit ruhiger Festigkeit fort. «Wollen Sie, daß ich Anklagen gegen Sie vorbringe, deren Ausgang ich schaudernd vorhersehe, so wissen Sie, was Sie zu tun haben; wünschen Sie Nachsicht und Vergebung von mir und den von Ihnen schwer Gekränkten, so treten Sie hinein und nehmen Sie, ohne ein Wort zu sagen, dort auf jenem Stuhle Platz, der schon zwei Tage auf Sie gewartet hat.»

Monks zögerte noch einige Augenblicke, ging indes endlich hinein und setzte sich. Brownlow befahl den beiden Männern, die Tür zu verriegeln und wieder zur Stelle zu sein, wenn er klingelte.

«Eine saubere Behandlung, die ich von dem ältesten Freunde meines Vaters erfahre», sagte Monks, Hut und Mantel ablegend.

«Gerade weil ich Ihres Vaters ältester Freund bin, junger Mann,» erwiderte Brownlow, «weil einst die Hoffnungen und Wünsche meiner glücklichen Jugendzeit an ihn sich anknüpften und an ein holdes Wesen von seinem Blute, das in seinen jungen Jahren zu Gott zurückkehrte und mich einsam und allein hier zurückließ; – weil er, noch ein Knabe, mit mir an seiner einzigen Schwester Sterbebette kniete, an dem Morgen kniete, der sie, wenn es der Himmel nicht anders gewollt hätte, zu meinem Weibe gemacht haben würde: – weil mein wundes Herz von der Zeit an bis zu seinem Tode bei all seinen Prüfungen und Irrtümern an ihm hing; – weil alle teure Erinnerungen an ihn mein Herz erfüllen und selbst durch Ihren Anblick erneuert werden; – das alles ist es, weshalb ich Sie jetzt nachsichtig behandle – ja, Eduard Leeford, sogar jetzt – Sie, der Sie erröten müssen, dieses Namens so unwürdig zu sein.»

«Was hat der mit der Sache zu schaffen?» fragte Monks, der verstockt und stumm-verwundert die Bewegung des alten Herrn gewahrt hatte. «Was gibt mir der Name?»

«Freilich gilt er Ihnen nichts», versetzte Brownlow. «Er war aber der Ihrige, und noch glüht und erhebt mir altem Manne in so weiter Zeitenferne das Herz wie sonst, wenn ich ihn nur von fremden Lippen nennen höre. Ich bin sehr, sehr erfreut, daß Sie ihn mit einem anderen vertauscht haben.»

«Das klingt alles gar prächtig», sagte Monks nach einem langen Stillschweigen, während dessen er sich trotzig hin und her gewiegt und Brownlow, die Augen mit der Hand bedeckend, dagesessen hatte. «Aber was wollen Sie von mir?»

«Sie haben einen Bruder, dessen Name, in Ihr Ohr geflüstert, als ich auf der Straße hinter Ihnen ging, fast allein schon genügte, Sie zu veranlassen, erstaunt und erschreckt mich hierher zu begleiten.»