«Draußen, draußen», sagte der Jude, den Knaben vor sich nach der Tür hindrängend und mit einem leeren, starren Blicke über seinen Kopf schauend. «Sag', ich wäre eingeschlafen – dir werden sie's glauben. Du kannst mir helfen 'raus, wenn du tust, was ich dir sage. Jetzt, jetzt!»

«O Gott, verzeihe diesem unglücklichen Manne!» rief der Knabe unter hervorstürzenden Tränen.

«So ist's recht, so ist's recht! Das ist das wahre Mittel! Diese Tür zuerst. Beb' und zittr' ich, wenn wir am Galgen vorübergehen, achte darauf nicht, sondern mach fort, rasch fort. Jetzt, jetzt, jetzt!»

«Haben Sie ihm nichts mehr zu sagen, Sir?» fragte der Schließer.

«Nein», erwiderte Brownlow. «Wenn ich hoffen könnte, daß wir ein Gefühl seiner Lage in ihm erwecken –»

«Das ist unmöglich, Sir», fiel der Schließer kopfschüttelnd ein. «Ich muß Ihnen den Rat geben, ihn zu verlassen.»

Die beiden Wärter kehrten jetzt zurück, und der Jude rief: «Fort, fort! Tritt leise auf – aber nicht so langsam. Schneller, schneller!» Sie befreiten den Knaben von seinem Griffe und hielten ihn selbst zurück. Er suchte sich mit der Kraft der Verzweiflung loszumachen und stieß einen Schrei nach dem andern aus, der selbst die ellendicken Kerkermauern durchdrang und in Brownlows und Olivers Ohren tönte, bis sie in den offenen Hof hinaustraten.

Sie konnten das Gefängnis nicht sogleich verlassen. Oliver war einer Ohnmacht nahe und so angegriffen, daß eine Stunde verfloß, ehe er seine Füße zu gebrauchen vermochte.

Der Tag brach an, als sie das Gefängnis verließen. Es hatte sich schon eine große Volksmenge gesammelt: die Fenster waren mit Leuten angefüllt, die sich rauchend und Karten spielend die Zeit vertrieben; die Untenstehenden drängten sich hin und her, stritten und scherzten miteinander. Die ganze Umgebung bot ein heiteres, belebtes Schauspiel dar – in dessen Mitte schauerliche Zurüstungen an Verbrechen, Gericht, Strafe und Tod erinnerten.

53. Kapitel.