«Hast du eine Wohnung?»
«Nein.»
«Geld?»
«Nein.»
Der junge Herr senkte die Hände in die Taschen und pfiff. –
«Wohnst du in London?» fragte Oliver.
«Ja, wenn ich zu Hause bin. Aber du weißt wohl nicht, wo du kommende Nacht schlafen sollst?»
«Nein», antwortete Oliver. «Ich habe seit sieben Nächten unter keinem Dache geschlafen.»
«Mach dir darum nur keine Sorgen. Ich gehe heute abend nach London und kenne da 'nen respektablen alten Herrn, der dir Wohnung umsonst geben und dir bald 'ne gute Stelle verschaffen wird – das heißt, wenn dich ä Schentleman einführt, den er kennt. Und ob er mich wohl kennt!» fügte der junge Herr lächelnd hinzu.
Das unerwartete Anerbieten war zu lockend, als daß Oliver einen Augenblick hätte anstehen sollen, es anzunehmen. Er wurde zutraulicher und erfuhr nun auch, daß sein neuer Freund Jack Dawkins heiße und ein besonderer Liebling des erwähnten alten Herrn sei. – Jacks Äußeres schien freilich den Lieblingen des alten Herrn nicht viele Vorteile zu versprechen; allein da er ziemlich leichtfertig und großsprecherisch redete und auch gestand, daß er unter seinen Bekannten allgemein den Namen des «gepfefferten Baldowerers» (d. h. gewitzten Kundschafters) führe, so schloß Oliver, er möge nicht eben viel taugen und die guten Lehren seines Wohltäters in den Wind schlagen. Oliver nahm sich daher in der Stille vor, sich so bald wie möglich die Gunst des alten Herrn zu erwerben, und wenn er den Baldowerer unverbesserlich fände, die Ehre der näheren Bekanntschaft mit ihm abzulehnen.