Er legte die Uhr wieder in die Schachtel, nahm mehrere andere und dann Ringe, Armbänder und viele Kostbarkeiten heraus, deren Namen oder Gebrauch Oliver nicht einmal kannte, und beäugelte sie mit gleichem Vergnügen. Hierauf legte er ein sehr kleines Geschmeide in seine flache Hand und schien lange bemüht, zu lesen, was darin eingegraben sein mochte. Endlich ließ er es, wie am Erfolge verzweifelnd, wieder in die Schachtel hineinfallen, lehnte sich zurück und murmelte: «Was es doch ist für 'ne hübsche Sache ums Hängen! Tote bereuen nicht – bringen ans Licht keine dummen Geschichten. Selbst die Aussicht auf den Galgen macht sie keck und dreist. 's ist sehr schön fürs Geschäft. Fünf aufgehangen in einer Reihe, und keiner übrig zu teilen mit mir oder zu lehmern[J]

Er blickte auf, seine schwarzen, stechenden Augen begegneten Olivers Blicken, die in stummer Neugier auf ihn geheftet waren, und er gewahrte sogleich, daß er beobachtet worden war. Er drückte die Schachtel zu, griff nach einem auf dem Tische liegenden Messer und sprang wütend und am ganzen Leibe zitternd auf.

«Was ist das?» rief er. «Warum passest du mir auf? Warum bist du wach? Was hast du gesehen? Sprich, Bube – sprich, sprich, so lieb dir dein Leben ist!»

«Ich konnte nicht mehr schlafen», erwiderte Oliver bestürzt. «Es tut mir sehr leid, wenn ich Sie gestört habe, Sir!»

«Hast du nicht schon seit einer Stunde gewacht?» fragte der Jude, Oliver finster anblickend.

«Nein, Sir – nein, wahrlich nicht», sagte Oliver.

«Ist's auch wahr?» rief der Jude mit noch drohenderen Gebärden.

«Auf mein Wort, Sir!» versicherte Oliver.

«Schon gut, schon gut!» fuhr der Jude, auf einmal sein gewöhnliches Wesen wieder annehmend, fort. «Ich weiß es wohl – wollte dich nur erschrecken – auf die Probe stellen. Du bist ein wackerer Junge, Oliver.» Er rieb sich kichernd die Hände, blickte jedoch unruhig nach der Schachtel hin. «Hast du gesehen die hübschen Sachen?» fragte er nach einigem Stillschweigen.

«Ja, Sir.»