Sie wollte nichts davon hören und bereitete ihm sorglich ein für seinen Zustand passendes Frühstück. Oliver heftete unterdes seine Blicke auf ein ihm gerade gegenüber an der Wand hängendes Porträt. Sie wurde aufmerksam darauf.
«Magst du gern Bilder leiden, mein Kleiner?»
«Ich habe noch wenige gesehen; aber wie schön und liebevoll das Gesicht der Dame ist!»
«Ah, die Maler machen die Damen immer hübscher, als sie sind, denn sie würden sonst keine Kundschaft haben. Der Mann, der die Konterfeimaschine erfand, hätte vorauswissen können, daß es nichts damit wäre, denn es ist viel zu viel Ehrlichkeit dabei.»
Sie lachte, Oliver aber blieb ernst und fragte: «Wen stellt denn das Bild vor, Ma'am?»
«Ich weiß es nicht, mein Kind; aber sicher niemand, den wir beide kennen. Es scheint dir ja erstaunlich zu gefallen.»
«Ach, es ist gar zu schön!» rief Oliver aus.
«Du fängst doch nicht an, dich zu fürchten?» sagte Frau Bedwin, denn sie gewahrte mit großer Verwunderung, daß Oliver das Porträt mit einer Art von Beben betrachtete.
«O, nein, nein,» erwiderte er rasch; «aber die Augen blicken so traurig, und es ist, als wären sie gerade, wo ich sitze, auf mich geheftet. Es macht mir das Herz schlagen», setzte er mit leiser Stimme hinzu, «als wenn es lebte und zu mir reden wollte und könnte doch nicht.»
«Gott sei uns gnädig!» rief Frau Bedwin bestürzt aus; «sprich nicht so, Kind. Du mußt noch sehr schwach und fieberisch sein. So, so – nun kannst du es nicht mehr sehen.»