«Ach du gütiger Himmel, wie trotzig er schon geworden ist!» schluchzte das junge Mädchen.
«Ei, Nancy!» rief Oliver, der jetzt erst ihr Gesicht sah, im höchsten Erstaunen aus.
«Sie sehen, er kennt mich», sagte Nancy. «Helfen Sie mir ihn nach Hause bringen, liebe Leute; seine Eltern und wir alle sterben sonst noch vor Kummer über ihn.»
«Zu allen Teufeln, was ist das hier?» schrie ein aus einem Bierladen hervorstürzender Mann. «Oliver, Satansbrut, komm augenblicklich mit nach Hause zu deiner armen Mutter. Sofort kommst du mit!»
«Ich gehöre nicht zu ihnen. Ich kenne sie nicht, Hilfe, Hilfe!» rief Oliver, indem er sich unter dem festen Griff des Mannes verzweifelt wand.
«Hilfe!» polterte Sikes. «Ich will dir gleich helfen. Was sind das für Bücher? – Ohne Zweifel gestohlen – her damit!»
Er entriß ihm das Päckchen und versetzte ihm damit einen heftigen Schlag auf den Kopf.
«So ist's recht; das wird ihn schon wieder zur Besinnung bringen!» riefen die Weiber.
«Sollt's auch meinen», rief der Mann, gab Oliver noch ein paar Schläge auf den Kopf und packte ihn beim Kragen. «Komm, du kleiner Taugenichts! Hier, Tyras, paß auf ihn auf! Paß auf!»
Noch geschwächt von seiner Krankheit, betäubt durch die Schläge und das Überraschende des ganzen Vorganges, in Schrecken gesetzt durch das Knurren des Hundes und die Brutalität des baumstarken Mannes, und überwältigt durch den Beifall, den die Umstehenden seinen Angreifern gaben – was konnte das geängstete Kind tun? Es war dunkel geworden, die Gasse sah an sich selbst schon verdächtig aus, Hilfe war nirgends zu erblicken, Widerstand nutzlos. Ohne recht zu wissen, wie ihm geschah, fühlte sich Oliver durch ein Labyrinth von engen Straßen geschleppt, und sein jeweiliges Rufen verhallte um so mehr, da er so schnell fortgerissen wurde, daß er keinen Augenblick zu Atem kommen konnte; doch würde es auch von niemand beachtet worden sein.