Der arme Oliver gehorchte widerstrebend und wurde darauf von Charley im Dunkeln gelassen und eingeschlossen. Master Bates' Gelächter und die Stimme Betsys, die nach einiger Zeit erschien, und ihre Freundin zum Bewußtsein zurückzurufen sich bemühte, wären gar wohl geeignet gewesen, ihn unter anderen Umständen wach zu erhalten; allein er war erschöpft und unwohl und schlief daher bald ein.

17. Kapitel.

Olivers Schicksal bleibt fortwährend günstig.

In jedem guten Melodrama, in dem viel von Hauen und Stechen die Rede ist, wechseln auf der Bühne komische und tragische Szenen so regelmäßig wie die roten und weißen Lagen eines Stücks durchwachsenen Specks. Diese Abwechselungen erscheinen uns abgeschmackt, sind indes keineswegs unnatürlich. Die Übergänge im wirklichen Leben von wohlbesetzten Tischen zu Sterbebetten oder von Trauer- zu Festtagskleidern sind nicht minder schroff oder gefühlverletzend – wir aber sind beschäftigte Mitspielende statt bloßer Zuschauer, was einen unermeßlichen Unterschied bildet; den Schauspielern sind die plötzlichen Übergänge nicht auffällig, sie haben sozusagen keine Augen für dieselben, die von den Zuschauern verkehrt, unnatürlich, extravagant genannt werden. Verdamme mich daher nicht zu voreilig, geneigter Leser, wenn du in meinem Buche einen häufigen Wechsel des Schauplatzes und der Szenen findest, sondern erzeige mir die Gunst, zu prüfen, ob ich recht oder unrecht dabei gehabt habe. Meine Erzählung soll meiner Absicht nach wahr sein und ohne unnötige Abschweifungen auf ihr Ziel lossteuern. Ich bitte, folge mir für jetzt vertrauensvoll nach der Stadt, in welcher mein kleiner Held das Licht der Welt erblickte.

Mr. Bumble trat eines Morgens früh aus dem Armenhause mit der wichtigsten Miene heraus, und durchschritt die Straßen mit einer Haltung und einem Wesen, daß man es ihm sogleich ansah, sein Inneres war von Gedanken erfüllt, zu groß, um sie aussprechen zu können. Er hielt sich nicht unterwegs auf, um sich mit den kleinen Krämern und anderen, die ihn anredeten, in herablassender Weise zu unterhalten, sondern erwiderte ihre Begrüßungen nur mit einer hoheitsvollen Handbewegung, und hemmte seinen würdevollen Schritt erst, als er vor der Anstalt stand, in der Mrs. Mann die Armenkinder mit parochialer Sorgfalt pflegte.

«Dieser verwünschte Kirchspieldiener!» sagte Mrs. Mann zu sich selbst, als sie das bekannte Rütteln an der Pforte hörte. «Ob er nicht schon in aller Herrgottsfrühe herauskommt! Schau, Mr. Bumble, soeben habe ich an Sie gedacht. Ja, verehrter Herr, es ist mir ein wirkliches Vergnügen, Sie wieder einmal zu sehen! Treten Sie, bitte, näher.»

Der erste Satz war zu Susanne gesprochen worden, die Freudenbezeigungen dagegen zu Mr. Bumble, als die gute Dame die Gartenpforte öffnete und ihn mit großer Höflichkeit und Ehrerbietung ins Haus nötigte.

«Mrs. Mann,» sagte Mr. Bumble, indem er sich mit großer Feierlichkeit und Würde auf einen Stuhl niederließ, «Mrs. Mann, Ma'am, ich biete Ihnen einen guten Morgen.»

«Ich danke Ihnen und biete Ihnen auch meinerseits einen guten Morgen», erwiderte Mrs. Mann freundlich lächelnd; «ich hoffe, Sie befinden sich wohl, Sir.»

«So – so, Mrs. Mann,» antwortete der Kirchspieldiener; «man ist in der Parochie nicht immer auf Rosen gebettet.»