Mr. Brownlow war so niedergeschlagen, daß selbst Grimwig ihn nicht noch mehr betrüben mochte. Er zog endlich heftig die Klingelschnur. «Frau Bedwin,» sagte er, als die Haushälterin eintrat, «der Knabe, der Oliver, war ein Betrüger.»
«Das kann nicht sein, Sir; kann nicht sein», entgegnete Frau Bedwin nachdrücklich.
«Ich sage Ihnen aber, daß es so ist. Wir haben soeben einen genauen Bericht über ihn angehört. Er ist von seiner ersten Kindheit an durch und durch verderbt gewesen.»
«Und ich glaube es doch nicht, Sir – nimmermehr, Sir», erwiderte Frau Bedwin bestimmt.
«Ihr alten Weiber glaubt an nichts als an Quacksalber und Lügengeschichten», fiel Grimwig mürrisch ein. «Ich hab's von Anfang an gewußt. Warum hörten Sie nicht sogleich auf meine Meinung und meinen Rat? Sie würden es sicher getan haben, wenn der kleine Schelm nicht am Fieber krank gelegen hätte!»
«Er war kein Schelm,» entgegnete Frau Bedwin sehr unwillig, «sondern ein sehr liebes, gutes Kind. Ich verstehe mich auf Kinder sehr wohl, Sir, seit vierzehn Jahren, Sir; und wer nie Kinder gehabt hat, darf gar nicht mitreden über sie – das ist meine Meinung, Sir!»
Mr. Grimwig lächelte nur, und Frau Bedwin war im Begriff, fortzufahren, allein Brownlow kam ihr zuvor.
«Schweigen Sie!» sagte er mit einer Entrüstung in Ton und Mienen, die freilich seinen Gefühlen vollkommen fremd war. «Sie erwähnen den Knaben nie wieder; ich habe geklingelt, um Ihnen das zu sagen. Hören Sie – nie – niemals, und unter keinerlei Vorwande. Sie können gehen – und wohl zu merken, ich habe im Ernst gesprochen!»
In Mr. Brownlows Hause waren betrübte Herzen an diesem Abende, und Oliver zagte das Herz gleichfalls, als er seiner gütigen Beschützer und Freunde gedachte. Es war indes gut für ihn, daß er nicht wußte, was sie über ihn gehört; er hätte die Nacht vielleicht nicht überlebt.