«Ja, Bill, ja – wann soll es sein?» fragte auch der Jude.

«Ich hab's mit Toby auf übermorgen nacht verabredet,» antwortete Sikes mürrisch, «wenn ich ihm keine anderweitige Nachricht zugehen lasse.»

«Gut», sagte der Jude; «es wird doch kein Mondschein sein?»

«Nein», erwiderte Sikes.

«Ist auch bedacht alles wegen Fortschaffens der Sechore[AA]?» fragte Fagin.

Sikes nickte.

«Und wegen –»

«Ja, ja, 's ist alles verwaldiwert[AB],» unterbrach ihn Sikes; «scher dich nur nicht weiter drum. Bring' den Buben lieber morgen abend her. Ich werde 'ne Stunde nach Tagesanbruch auf und davon sein. Und dann halt's Maul und stelle den Schmelztiegel bereit; das ist alles, was du zu tun hast.»

Nach einigem Hin- und Herreden, woran alle drei tätigen Anteil nahmen, wurde beschlossen, daß Nancy am folgenden Abend Oliver herbringen solle. Fagin hielt dafür, daß er Nancy am ersten folgen würde, wenn er etwa abgeneigt wäre. Ebenso wurde feierlich verabredet, daß der Knabe zum Zweck der beabsichtigten Unternehmung Sikes unbedingt übergeben werden solle, und zwar so, daß derselbe mit ihm nach Gutdünken verfahren dürfe, ohne dem Juden für irgendeinen Unfall, der ihn treffen könnte, oder irgendeine Züchtigung verantwortlich zu sein, die sein Beschützer etwa für notwendig erachten möchte; auch sollte der letztere alle seine Angaben nach seiner Rückkehr durch Toby Crackits Zeugnis bestätigen lassen. Sikes bekräftigte vorläufig den edlen Bund und die Aufrichtigkeit seiner Gesinnungen durch ein Glas Branntwein nach dem andern, was die Wirkung hatte, daß er zuerst lärmte und sodann einschlief. Der Jude hüllte sich darauf wieder in seinen Überrock, sagte Nancy gute Nacht und faßte sie scharf ins Auge, während sie ihm zur Erwiderung gleichfalls wohl zu schlafen wünschte und ihre Blicke den seinigen begegneten. Sie waren vollkommen fest und ruhig. Das Mädchen war so treu und verläßlich in der Sache, wie Toby Crackit nur selbst sein konnte. Er warf Sikes, unbemerkt von ihr, noch einen Blick des Hasses und der Verachtung zu und ging, durch die Zähne murmelnd: «So sind sie alle. Das Schlimmste an den Weibsbildern ist, daß die größte Kleinigkeit aufweckt in ihnen ein längst vergessenes Gefühl – und das Beste, daß es nicht währt lange. Hi, hi, hi! Ich wette 'nen Sack voll Gold auf den Mann gegen das Kind.»

Unter diesen angenehmen Gedanken ging Fagin seines Weges durch Schmutz und Kot hin bis zu seiner düsteren Wohnstätte. Der Baldowerer war aufgeblieben und erwartete ungeduldig die Rückkehr des Juden.