„Lief der Mann fort, Kerl, als wir hielten, um zu hemmen?“

„Monseigneur, er stürzte kopfüber den Abhang hinunter, wie wenn sich Jemand in einen Fluß wirft.“

„Erkundigt Euch weiter danach, Gabelle. Kutscher, fahr’ zu!“

Das halbe Dutzend, welches die Kette beguckte, war immer noch zwischen den Rädern wie Schafe; die Räder drehten sich so rasch, daß sie sich glücklich schätzen konnten, Haut und Knochen unverletzt davon zu tragen; sie hatten wenig mehr davon zu tragen, sonst wären sie wohl nicht so glücklich gewesen.

Der rasche Lauf, in welchem der Wagen das Dorf verließ und den Abhang jenseits hinauf fuhr, wurde bald von der Steilheit des letztern verlangsamt. Allmälig verfielen die Pferde in Schritt und schwankend und polternd bewegte sich die Kutsche durch die vielen süßen Düfte einer Sommernacht. Die Postillone, deren Köpfe jetzt anstatt der Furien Tausende von Mücken umkreisten, flickten ruhig die Schwippen ihrer Peitschen aus; der Lakai ging neben den Pferden; den Courier hörte man in der dunkeln Ferne traben.

An der steilsten Stelle des Hügels befand sich ein kleiner Kirchhof mit einem Kreuz und einem neuen großen Bilde unseres Heilands daran; es war ein armseliges Holzbild, von einem ungeübten Holzschnitzer des Dorfes verfertigt, der aber den Körper nach dem Leben studirt hatte — vielleicht nach seinem eigenen Leben — denn er war schrecklich mager und abgezehrt.

Vor diesem traurigen Sinnbilde eines großen Elends, das seit vielen Jahren immer schlimmer geworden und noch nicht seinen Höhepunkt erreicht hatte, kniete eine Frau. Sie wendete den Kopf, als der Wagen sie erreichte, stand rasch auf und trat an den Kutschenschlag.

„Ach, Monseigneur! Monseigneur, eine Bittschrift.“

Mit einem Ausruf der Ungeduld, aber mit seinem unveränderten Gesicht, blickte der Marquis zum Wagenfenster hinaus.