Monsieur le Marquis stieg die breite Treppenflucht von niedrigen Stufen hinauf, während die Fackel ihm immer noch vorleuchtete, und die Finsterniß genug störte, um eine Eule in dem Dache des großen Stallgebäudes dort unter den Bäumen zu lauten Vorstellungen zu bewegen. Im Uebrigen war Alles so still, daß die Fackel, die dem Marquis vorleuchtete und die andere Fackel, die ein Lakai an der großen Thür in die Höhe hielt, brannten, als ob sie in einem verschlossenen Staatszimmer anstatt in der freien Nachtluft wären. Einen anderen Laut, als den Ruf der Eule, vernahm man nicht, außer dem Plätschern eines Springbrunnens in seinem steinernen Becken; denn es war eine jener dunkeln Nächte, welche ihren Athem stundenlang anhalten und dann einen langen leisen Seufzer vernehmen lassen, und ihren Athem wieder anhalten.
Die große Thür fiel schallend hinter ihm zu und Monsieur le Marquis schritt durch eine Vorhalle, ausgeschmückt mit alten Schweinsspießen, Hirschfängern und anderen Jagdgeräthen; aber auch mit schweren Reitgerten und Reitpeitschen, deren Gewicht mancher seitdem zu seinem Wohlthäter Tod gegangene Landmann gefühlt hatte, wenn der gnädige Herr schlechter Laune war.
Monsieur le Marquis mied die größeren Zimmer, die nicht erleuchtet und für die Nacht schon zugeschlossen waren, und ging, während der Fackelträger immer noch voranleuchtete, die Treppe hinauf bis zu einer Thür auf einem Corridor. Diese ging auf und gestattete ihm Zutritt in seine eigne Privatwohnung von drei Zimmern, einem Schlafgemach und zwei anderen. Hohe gewölbte Räume ohne Teppiche auf dem Fußboden, mit großen eisernen Unterlagen auf dem Heerde des Kamins, um während des Winters mit Holz zu heizen, und allem einem Marquis gebührenden Luxus in einer üppigen Zeit und einem üppigen Lande. Die Mode des letzten Ludwig von dem Geschlechte, das nie ausgehen sollte — des vierzehnten Ludwigs — war in der reichen Ausstattung der Gemächer vorherrschend; aber es waren auch viele Gegenstände zu erblicken, die an alte Zeiten der Geschichte von Frankreich erinnerten.
Ein Tisch war im dritten der Zimmer gedeckt. Es war ein rundes Zimmer in einem der vier Thürme mit Dächern wie Lichtauslöscher; ein kleines hohes Zimmer, dessen eines Fenster weit offen stand, während die Jalousien geschlossen waren, so daß die finstere Nacht sich nur in schmalen horizontalen schwarzen Streifen zeigte, die mit breiten Streifen von Steinfarbe abwechselten.
„Mein Neffe ist noch nicht da, wie ich höre,“ sagte der Marquis mit einem Blick auf die Vorbereitung zum Abendessen.
Er war noch nicht da; aber man hatte ihn mit Monseigneur erwartet.
„Ah! Er wird wahrscheinlich heute Abend nicht kommen; aber laßt die Tafel, wie sie ist. Ich werde in einer Viertelstunde fertig sein.“
In einer Viertelstunde war Monseigneur fertig und setzte sich allein zu seinem üppigen und auserlesenen Mahle hin. Sein Stuhl stand dem Fenster gegenüber und er hatte seine Suppe gegessen und brachte sein Glas Bordeaux an den Mund, als er es wieder wegsetzte.
„Was ist das?“ fragte er ruhig und heftete aufmerksam den Blick auf die horizontalen Streifen von schwarzer und Steinfarbe.