„Ich möchte nicht sagen zu Ihrem Glücke, mein Werthester,“ entgegnete der Onkel mit der größten Höflichkeit; „ich bin dessen nicht so sicher. Eine gute Gelegenheit zum Nachdenken, verbunden mit den Vortheilen der Einsamkeit, würde vielleicht auf Ihr Schicksal mehr vortheilhaften Einfluß haben, als Sie selbst haben können. Doch ist es unnütz, darüber zu reden. Wie Sie sagen, bin ich darin im Nachtheil. Diese kleinen Besserungsmittel, diese sanften Hülfen für Familienmacht und Ehre, diese kleinen Begünstigungen, die Ihnen unbequem werden können, sind jetzt nur durch Fürsprache und Zudringlichkeit zu erlangen. Sie werden von so Vielen gesucht und verhältnißmäßig so Wenigen gewährt! Es war sonst nicht so, aber Frankreich hat sich in allen diesen Dingen verschlimmert. Unsere Vorväter hatten das Recht über Leben und Tod der umwohnenden gemeinen Heerde. Aus diesem Zimmer sind viele dieser Lumpen zum Galgen geführt worden; im nächsten Zimmer, in meinem Schlafzimmer, wurde ein Bursche auf der Stelle niedergestoßen, weil er ein unverschämtes Bedenken wegen seiner Tochter hatte — seiner Tochter! — Wir haben viele Vorrechte verloren; eine neue Philosophie ist Mode geworden; und die Behauptung unserer Stellung könnte (ich gehe nicht so weit zu sagen, würde, aber könnte) uns heutzutage wirkliche Ungelegenheiten verursachen. Sehr traurig!“
Der Marquis nahm eine kleine Prise aus seiner Dose und schüttelte den Kopf so graziös verzweifelnd, als er anständigerweise sein konnte, verzweifelnd an einem Lande, das noch ihn besaß, dieses große Mittel der Wiedererhebung.
„Wir haben unsere Stellung in alter und neuerer Zeit so behauptet,“ sagte der Neffe düster, „daß ich glaube, unser Name ist in Frankreich mehr gehaßt, als jeder andere.“
„Das wollen wir hoffen,“ sagte der Onkel. „Haß der Großen ist die unwillkürliche Huldigung der Kleinen.“
„In diesem ganzen Lande rings um uns,“ fuhr der Neffe in seinem früheren Tone fort, „giebt es kein Gesicht, welches mich mit einem anderen Gefühle ansieht, als dem der scheuen Unterwürfigkeit, der Furcht und Sclaverei.“
„Ein Compliment für die Bedeutung der Familie,“ sagte der Marquis, „verdient durch die Art und Weise, wie die Familie ihre Bedeutung aufrecht erhalten hat. Ha!“ und er nahm wieder eine kleine Prise und legte gleichgültig die Beine über einander.
Aber als der Neffe sich mit dem Ellbogen auf den Tisch stützte und gedankenvoll und niedergeschlagen die Augen mit der Hand bedeckte, blickte die schöne Maske ihn mit einem stärkeren Ausdruck von Neugier, Mißtrauen und Abneigung an, als sich mit der angenommenen Gleichgültigkeit des Mannes vertrug.
„Zwang und Gewalt ist die einzige dauernde Philosophie. Die scheue Unterwürfigkeit der Furcht und Sclaverei, mein Bester,“ bemerkte der Marquis, „erhält die Kerle der Peitsche gehorsam, so lange dieses Dach“ — mit einem Blick in die Höhe — „den Himmel hinaus sperrt.“
Das dauerte möglicherweise nicht so lange, als der Marquis meinte. Wenn er diese Nacht ein Bild des Schlosses hätte sehen können, wie es und fünfzig andere in ein Paar Jahren sein würde, so hätte er wahrscheinlich kaum das seinige in den rauchgeschwärzten, ausgeplünderten Trümmern erkannt. Und was das Dach betrifft, so hätte er finden können, daß es den Himmel auf eine ganz neue Art hinaussperrte — nämlich für immer aus den Augen der Leichen, in welche sein Blei aus hunderttausend Musketen gefeuert worden.
„Unterdessen,“ sagte der Marquis, „will ich die Ehre und Ruhe der Familie wahren, wenn Sie es nicht thun wollen. Aber Sie müssen müde sein. Wollen wir unsere Conferenz für heute schließen?“