„Wenn es möglich gewesen wäre, Miß Manette, daß Sie die Liebe des Mannes hätten erwidern können, den Sie jetzt vor sich sehen — dieser verwüsteten und verlotterten Creatur, die sich selbst aufgegeben und sich selbst weggeworfen hat — so wäre er sich an diesem Tage und zu dieser Stunde trotz seines Glückes bewußt, daß er Sie in Elend und Noth, in Kummer und Reue bringen und mit sich selbst herunter in Schmutz und Schande ziehen würde. Ich weiß recht wohl, daß Sie keine Liebe für mich fühlen; ich verlange keine; ich danke sogar Gott, daß ich keine beanspruchen kann.“

„Kann ich Sie nicht ohne diese retten, Mr. Carton? Kann ich Sie nicht — verzeihen Sie mir wieder! — zu einem bessern Leben zurückführen? Kann ich in keiner Weise Ihr Vertrauen vergelten? Ich weiß, daß dies eine vertrauliche Mittheilung ist,“ sagte sie bescheiden, nach einigem Zögern und mit aufrichtigen Thränen, „ich weiß, daß Sie das Niemandem anders sagen würden. Kann ich es in keiner Weise zu Ihrem Besten wenden, Mr. Carton?“

Er schüttelte den Kopf. „Nein, Miß Manette, in keiner Weise. Wenn Sie mich noch ein wenig länger anhören wollen, so ist Alles geschehen, was Sie für mich thun können. Sie sollen wissen, daß Sie der letzte Traum meiner Seele gewesen sind. In meiner Gesunkenheit bin ich nicht so gesunken, daß der Anblick von Ihnen und Ihrem Vater und dieses Heimwesens und wie Sie es zu dem gemacht haben, was es ist, nicht in mir alte Schatten geweckt hätte, die ich längst für gestorben hielt. Seit ich Sie gekannt habe, hat mich eine Reue gequält, die ich für immer verlernt zu haben glaubte und habe ich alte Stimmen mir zurufen hören, mich zu erheben, von denen ich längst meinte, sie wären verstummt. Es kamen mir halbfertige Gedanken vom Frischen zu streben, neu anzufangen, Trägheit und Sinnlichkeit abzuschütteln, und mich wieder in den aufgegebenen Kampf zu stürzen. Träume, nichts als Träume, die in Nichts enden, aber ich hege den Wunsch, Sie wüßten, daß Sie dieselben in mir veranlaßt hätten.“

„Werden sie keine andere Frucht tragen? O, Mr. Carton, versuchen Sie es noch einmal!“

„Nein, Miß Manette, die ganze Zeit über habe ich gefühlt, daß ich es nicht verdiente. Und doch war ich schwach genug und bin es noch, den Wunsch zu hegen, daß Sie erfahren, mit welchem plötzlichen Einfluß Sie in mir, dem ausgebrannten Aschenhaufen, ein Feuer entzündet haben, aber ein Feuer, das, in seinem Wesen unzertrennlich von mir, Nichts lebendig macht, Nichts entzündet, keinen Dienst leistet und unnütz verbrennt.“

„Da ich das Unglück habe, Mr. Carton, Sie unglücklicher gemacht zu haben, als Sie waren, bevor ich Sie kannte —.“

„Sagen Sie das nicht, Miß Manette, denn Sie hätten mich gerettet, wenn es Jemand hätte thun können. Sie können nicht die Ursache sein, daß es schlimmer mit mir wird.“

„Da der Zustand, von dem Sie sprechen, jedenfalls durch meinen Einfluß mit entstanden ist — das meine ich — wenn ich es klar machen kann — kann ich dann Nichts thun, um Ihnen zu dienen? Geht mir jede Macht ab zum Guten auf Sie einzuwirken?“

„Das einzige Gute, dessen ich noch fähig bin, Miß Manette, auszuführen, bin ich hierher gekommen. Ich möchte für den Rest meines verfehlten Lebens die Erinnerung besitzen, daß ich Ihnen als den letzten Menschen auf der Welt mein Herz eröffnet habe, und daß Sie noch Etwas darin gefunden haben, was Sie beklagen und bemitleiden konnten.“

„Was, wie ich Sie auf’s Innigste, aus ganzem Herzen gebeten habe zu glauben, besserer Dinge fähig war, Mr. Carton!“