„Bitten Sie mich nicht mehr, es zu glauben, Miß Manette. Ich habe mich geprüft und ich weiß es besser. Ich thue Ihnen weh; ich bin bald fertig. Wollen Sie mir zu glauben erlauben, wenn ich an diesen Tag zurückdenke, daß ich das letzte Vertrauen in meinem Leben Ihrem reinen unschuldigen Herzen geschenkt habe, und daß es dort allein ruht und von Niemandem getheilt werden wird?“

„Wenn das ein Trost für Sie ist, ja!“

„Auch nicht dem Herzen, das Ihnen dereinst am Liebsten sein wird?“

„Mr. Carton,“ gab sie nach einer aufgeregten Pause zur Antwort, „es ist Ihr Geheimniß, nicht meines, und ich verspreche Ihnen es zu achten.“

„Ich danke Ihnen. Und noch einmal, Gott segne Sie.“

Er führte ihre Hand an seine Lippen und bewegte sich nach der Thür.

„Fürchten Sie nicht, Miß Manette, daß ich jemals dieses Gespräch auch nur durch eine Anspielung wieder aufnehme. Ich werde nie wieder darauf zurückkommen. Wenn ich todt wäre, könnten Sie dessen nicht sicherer sein. In meiner Sterbestunde werde ich die eine gute Erinnerung heilig halten — und ich werde Ihnen dafür danken und Sie dafür segnen — daß ich mein letztes Selbstbekenntniß Ihnen abgelegt habe und daß Sie meinen Namen, meine Fehler und mein Unglück mitleidvoll in Ihrem Herzen tragen. Möge es im Uebrigen leicht und glücklich sein!“

Er war so ganz anders als er sich sonst gezeigt hatte und es war so traurig zu denken, wie viel er weggeworfen und wie viel er jeden Tag brach liegen ließ und zu falschen Zwecken verwendete, daß Lucie Manette bekümmert um ihn weinte, als er in der Thür stand und auf sie zurückblickte.

„Trösten Sie sich!“ sagte er, „ich bin dieses Mitleid nicht werth, Miß Manette. Noch ein oder zwei Stunden und die gemeine Gesellschaft und ihre Gewohnheiten, die ich verachte, denen ich mich aber hingebe, werden mich solcher Thränen weniger würdig machen, als der erste beste Elende ist, der durch die Straßen kriecht. Trösten Sie sich! Aber in meinem Herzen werde ich immer gegen Sie sein, wie ich jetzt bin, obgleich ich äußerlich nicht anders erscheinen werde, als Sie mich bisher gekannt haben. Die vorletzte Bitte, die ich an Sie habe, ist, daß Sie mir dies glauben wollen.“

„Ich will es, Mr. Carton.“