„Im Grunde hören wir jetzt gar nichts von ihnen“ fiel Madame ein, indem sie von ihrer Arbeit aufsah und ihr Liedchen abbrach. „Wir haben Nachricht von ihrer sicheren Ankunft und vielleicht noch einen oder zwei Briefe empfangen; aber seitdem sind sie allmählich ihren Lebensweg gegangen und wir den unsrigen und wir haben keinen Verkehr mit einander gehabt.“
„So ist es, Madame“ entgegnete der Spion. „Sie steht im Begriff sich zu verheirathen.“
„Sie steht im Begriff?“ wiederholte Madame. „Sie war hübsch genug, längst verheirathet zu sein. Ihr Engländer seid kaltherzig, wie mir scheint.“
„O! Sie wissen, daß ich Engländer bin?“
„Ihre Zunge ist englisch“ entgegnete Madame; „und wie die Zunge ist, muß meiner Ansicht nach auch der Mann sein!“
Er nahm die Erkennung nicht als ein Compliment auf; aber er schickte sich hinein und brach mit einem Lachen ab. Nachdem er seinen Cognac ausgenippt hatte, setzte er hinzu:
„Ja, Miß Manette steht im Begriff zu heirathen; aber keinen Engländer, sondern einen gebornen Franzosen. Und da wir von Gaspard sprachen (ach der arme Gaspard! es war grausam! grausam!) so ist es doch seltsam, daß sie den Neffen des Marquis heirathet, dessentwegen Gaspard so hoch hängen mußte; mit andern Worten — den gegenwärtigen Marquis. Aber er lebt unbekannt in England, er ist kein Marquis dort, sondern einfach Mr. Charles Darnay. D’Aulnais ist der Familienname seiner Mutter.“
Madame Defarge strickte ruhig weiter, aber auf ihren Mann brachte die Nachricht einen sichtbaren Eindruck hervor. Mochte er hinter dem kleinen Ladentische thun was er wollte, Feuer machen oder seine Pfeife anbrennen — er zeigte sich gefangen und seine Hand war unruhig. Der Spion wäre kein Spion gewesen, wenn er das nicht gesehen und das Gesehene sich nicht gemerkt hätte.
Nachdem er wenigstens diesen einen Treffer gehabt, dessen endgiltiger Werth freilich noch ungewiß war, und da außerdem keine Gäste erschienen, die ihm zu Entdeckungen verhelfen konnten, bezahlte Mr. Barsad seine Zeche und verabschiedete sich, nicht ohne auf die höflichste Weise zu bemerken, daß er das Vergnügen zu haben hoffe, Monsieur und Madame Defarge wieder zu sehen. Einige Minuten, nachdem er sie verlassen hatte, blieben Mann und Frau genau in der Stellung wie sie waren, im Fall er etwa zurückkehren sollte.
„Kann das, was er von Mademoiselle Manette sagt, wahr sein?“ sagte Defarge mit gedämpfter Stimme, während er immer noch rauchend und die Hand auf die Stuhllehne gelegt hinter seiner Frau stand.