„Und auch ich fühle mich sehr glücklich heute Abend, lieber Vater. Ich fühle mich aufs Tiefste beglückt von der Liebe, mit der mich der Himmel gesegnet hat — von meiner Liebe zu Charles und Charles Liebe zu mir. Aber wenn mein Leben Dir nicht mehr geweiht sein sollte oder wenn ich durch meine Heirath nur um ein paar Straßen von dir getrennt würde, so würde ich mich unglücklicher fühlen und mir selbst mehr Vorwürfe machen, als ich dir sagen kann. Selbst so wie es ist —“

Selbst so wie es war, versagte ihr die Stimme.

In dem melancholischen Mondschein umarmte sie ihn und legte ihr Gesicht an seine Brust. In dem Mondschein, der immer melancholisch ist (wie es ja auch das Licht der Sonne ist — und das Licht, welches man das menschliche Leben nennt bei seinem Kommen und Gehen).

„Theuerster der Theuren! kannst Du mir dies letzte Mal sagen, daß Du Dich ganz fest überzeugt fühltest, daß niemals neue Neigungen, die ich fühle, oder neue Pflichten, die ich zu erfüllen habe, zwischen uns beide treten werden? ich weiß es wohl, aber weißt auch Du es? Fühlst Du Dich in Deinem innersten Herzen dessen fest überzeugt?“

Ihr Vater gab mit einer heitern Zuversicht, die kaum eine angenommene sein konnte, zur Antwort: „Ganz fest überzeugt, mein Herzenskind! Mehr als das,“ setzte er hinzu und küßte sie zärtlich. „Meine Zukunft liegt durch Deine Heirath, Lucie, viel heller vor mir, als sie ohne dieselbe jemals sein könnte oder war.“

„Wenn ich das hoffen könnte, Vater!“ —

„Glaube es mir, Liebe! Es ist in der That so. Bedenke, wie natürlich und einfach es ist, mein Herz, daß es so ist. Du mit Deiner Hingebung und mit Deiner Jugend kannst nicht recht die bange Sorge fühlen, die mich erfüllt hat, daß Dein Leben nicht etwa verbittert würde —“

Sie bewegte die Hand nach seinen Lippen, aber er nahm sie in die seinige und wiederholte das Wort.

— „Verbittert, mein Kind! verbittert meinetwegen und aus seiner natürlichen Bahn gedrängt. Deine Selbstlosigkeit kann nicht ganz begreifen, wie viel mir dieß Sorge gemacht hat; aber frage dich nur selbst, wie konnte mein Glück vollkommen sein, so lange das Deine unvollkommen blieb?“