„Was heißt Einhundert und Fünf, Nordthurm?“ — fragte Defarge. „Rasch!“
„Was es heißt, Monsieur?“
„Ist damit ein Gefangener bezeichnet oder ein Kerker? Oder wollt Ihr, daß ich Euch todtschlage?“
„Schlagt ihn todt!“ — krächzte Jacques Drei, der dicht herangetreten war.
„Monsieur! es ist ein Gefängniß.“
„Führt mich hin!“
„So kommen Sie diesen Weg.“
Jacques Drei, mit dem gewöhnlichen gierigen Ausdruck um Mund und Augen und offenbar darüber getäuscht, daß das Zwiegespräch eine Wendung nahm, die kein Blut versprach, hielt Defarge’s Arm gepackt, wie dieser den Arm des Gefangenwärters gepackt hielt. Sie hatten während des Gesprächs ihre drei Köpfe dicht zusammengesteckt und selbst so konnten sie kaum einander verstehen — so fürchterlich war das Toben des lebendigen Meeres, wie es in die Festung eingebrochen war und die Höfe, Gänge und Treppen überschwemmt hatte. Auch draußen rings herum schlug es an die Mauern mit dumpfem Donner, aus welchem gelegentlich ein paar vereinzelte Jubelrufe hervorbrachen und wie Wellenstaub in die Luft flogen.
Durch düstere Gewölbe, wohin das Tageslicht nie gedrungen war, vorbei an unheimlichen Thüren finsterer Löcher und Käfige, gruftartige Treppen hinab und steile beschwerliche Stiegen von Stein und Ziegeln wieder hinauf, die ausgetrockneten Wasserfällen ähnlicher waren als Treppen, gingen Defarge, der Gefangenwärter und Jacques Drei festgeschlossen Arm in Arm mit aller möglichen Eile. Hie und da, vorzüglich zu Anfang, jagten einzelne Wogen der Ueberschwemmung an ihnen vorbei, aber als das Abwärtssteigen vorbei war und sie auf steinerner Wendeltreppe einen Thurm hinaufklimmten, waren sie allein. Hier eingeschlossen von den dicken Mauern und Gewölben hörten sie von dem Sturm in der Festung draußen nur ein fernes gedämpftes Rauschen, als ob das Getöse, in dem sie sich eben noch befunden, fast ihren Gehörsinn vernichtet hätte.