Wie er an der Wand in einer dunkeln Ecke stand, während noch einige von den Zweiundfünfzig nach ihm hereingebracht wurden, blieb einer im Vorbeigehen bei ihm stehen, um ihn als Bekannten zu umarmen. Ein angstvoller Gedanke, entdeckt zu werden, fuhr ihm durch die Seele; aber der andere ging weiter. Ein paar Augenblicke später stand ein schwächlich gebautes Mädchen, mit lieblichem, aber abgezehrtem Gesicht, auf welchem keine Spur Farbe sichtbar war, und großen, weit offenen, geduldigen Augen von der Bank auf, wo er sie sitzen gesehen hatte, und trat an ihn heran.
„Bürger Evrémonde,“ sagte sie, und berührte ihn mit ihrer kalten Hand. „Ich bin eine arme kleine Nähterin und war mit Euch in La Force.“
Er murmelte vor sich hin: „richtig. Ich vergesse weshalb Ihr angeklagt waret?“
„Wegen Verschwörung. Obgleich der gerechte Himmel weiß, daß ich unschuldig bin. Ist es wahrscheinlich? Wer soll auf den Einfall kommen mit einem armen, schwachen Geschöpf, wie ich bin, zu complotiren?“
Das trübe Lächeln, mit dem sie dies sagte, rührte ihn so, daß Thränen seine Augen füllten.
„Ich fürchte mich nicht, zu sterben, Bürger Evrémonde, aber ich habe Nichts gethan. Ich sterbe nicht ungern, wenn die Republik, welche uns Armen soviel Gutes bringen soll, durch meinen Tod gewinnt; aber ich begreife nicht, wie das zugehen soll, Bürger Evrémonde. Ein so armes, kleines schwaches Ding!“
Als das letzte auf Erden, wofür sein Herz warm und sanft fühlen sollte, trat ihm dieses arme Mädchen entgegen.
„Ich hörte Ihr wäret freigelassen, Bürger Evrémonde, ich hoffte es sei wahr?“