„Ohne Euch, lieber Fremder, wäre ich nicht so gefaßt; denn ich bin von Natur ein armes kleines Geschöpf von zaghaftem Herzen; noch wäre ich im Stande gewesen meine Gedanken zu ihm zu erheben, der den Tod erlitten hat, damit wir heute Hoffnung und Trost haben. Ich glaube der Himmel hat Euch mir gesendet.“

„Oder auch mir,“ sagte Sydney Carton. „Wendet Eure Augen nicht von mir, liebes Kind, und achtet auf weiter Nichts.“

„Ich achte auf Nichts, so lange ich Eure Hand halte. Ich werde auf Nichts achten, wenn ich sie los lasse, wenn es schnell geht.“

„Es wird schnell gehen. Fürchtet Euch nicht.“

Die Beiden stehen in dem immer dünner werdenden Gedränge der Opfer, aber sie sprechen als ob sie allein wären. Auge in Auge, Hand in Hand, Herz an Herz, sind sich diese beiden Kinder der allgemeinen Mutter, sonst so weit getrennt und so verschieden von einander, auf der dunkeln Straße zum Tode begegnet, um mit einander nach der Heimath zu gehen und an ihrem Busen zu ruhen.

„Edler und großmüthiger Freund, wollt Ihr mir eine letzte Frage erlauben? Ich bin sehr unwissend und es beunruhigt mich — ein klein wenig.“

„Sagt mir was es ist.“

„Ich habe eine Base, meine einzige Verwandte und eine Waise, wie ich, der ich sehr gut bin. Sie ist fünf Jahre jünger als ich und sie wohnt auf einem Pachtgute, unten im Süden. Armuth hat uns auseinander gerissen und sie weiß nicht, was aus mir geworden ist — denn ich kann nicht schreiben — und wenn ich’s könnte, wie sollte ich es ihr mittheilen! es ist besser so, wie es ist.“

„Ja, ja; es ist besser so, wie es ist.“

„Was ich gedacht habe, wie wir hierher fuhren und was ich immer noch denke, wie ich in Euer freundliches und doch muthiges Gesicht sehe, das mich so aufrecht erhält, ist Folgendes: — wenn die Republik wirklich den Armen gut thut und sie weniger zu hungern brauchen, und sie in jeder Weise weniger leiden, so kann sie lange leben; sie kann sogar zu hohen Jahren kommen.“